Plazenta-Essen: Vom Trend zum Superfood – Rezepte, Vorteile und Risiken

Die Idee, die Plazenta nach der Geburt zu essen, hat sich in den letzten Jahren als Teil einer alternativen Bewegung etabliert. In sozialen Medien, Blogs und auch in einigen Kochportalen tauchen immer wieder Rezepte auf, die zeigen, wie aus dem Mutterkuchen Gerichte wie Smoothies, Kuchen oder Suppen zubereitet werden. Doch was genau steckt hinter diesem Phänomen? Gibt es wissenschaftliche Grundlagen, die die Plazentophagie – den Begriff für das Essen der Plazenta – unterstützen? Und welche Risiken sind damit verbunden?

In diesem Artikel werden die Hintergründe, Rezeptideen und wissenschaftliche Haltung zum Thema „Plazenta essen“ aus den verfügbaren Quellen detailliert beschrieben. Es wird gezeigt, warum einige Frauen sich für dieses Verhalten entscheiden und was Experten dazu sagen. Zudem werden die praktischen Aspekte, wie z. B. die Zubereitung und die Verarbeitung der Plazenta in Form von Kapseln oder Pulver, erläutert.


Was ist Plazentophagie?

Plazentophagie bezeichnet den Verzehr der Plazenta nach der Geburt. In der Tierwelt ist dieser Vorgang weit verbreitet: Viele Säugetiere fressen ihre Plazenta unmittelbar nach der Geburt. Dies dient dazu, Nährstoffe zurückzugewinnen und gleichzeitig zu vermeiden, dass der Geruch der Nachgeburt Raubtieren den Weg weist.

Bei Menschen ist die Plazentophagie ein moderner Trend, der vor allem durch Prominente und soziale Medien verbreitet wird. Laut einigen Quellen kursieren Rezepte im Internet, die zeigen, wie die Plazenta in Form von Smoothies, Suppen, Kuchen oder Soßen verarbeitet werden kann. Zudem gibt es Möglichkeiten, die Plazenta in Kapseln, Pulver oder homöopathische Nosoden weiterzuverarbeiten.

Die Plazenta enthält laut einigen Berichten Nährstoffe wie Eisen, Zink und Selen, die nach der Geburt für den Körper der Mutter wichtig sein könnten. Allerdings fehlen bislang belastbare wissenschaftliche Belege dafür, dass der Verzehr tatsächlich gesundheitliche Vorteile bringt.


Vorgehensweise und Rezeptideen

Rezepte aus der Plazenta

Im Internet finden sich zahlreiche Rezepte, die den Mutterkuchen in die Küche integrieren. So wird die Plazenta beispielsweise in Smoothies gemischt, in Soßen angerichtet oder als Teil einer Lasagne verarbeitet. Einige Rezepte sind jedoch recht ungewöhnlich, wie z. B. die Zubereitung als Plazenta-Pizza oder -Kuchen.

Ein weiteres Verfahren ist die Herstellung von Kapseln oder Pulver. Dazu wird die Plazenta in der Regel gekocht, getrocknet und zu Kapseln oder Pulvern verarbeitet. Dieser Vorgang wird von einigen Apotheken angeboten, wobei die Kosten für die Herstellung in der Höhe von etwa 300 Euro liegen.

Homöopathische Anwendungen, so genannte „Plazentanosoden“, werden ebenfalls aus der Nachgeburt hergestellt. Diese sollen später dem Kind zur Verfügung stehen und in der homöopathischen Behandlung eingesetzt werden.

Ein weiteres Verfahren ist das sogenannte „Mutterkuchen-Kunstprojekt“, bei dem die frische Plazenta auf Leinwand oder Papier gedrückt wird, um ein bleibendes Erinnerungsstück zu schaffen. Dieser Vorgang erzeugt ein verästeltes Muster, das dann künstlerisch weiterentwickelt werden kann.


Rezepte: Ein Beispiel

Ein Rezept, das in einigen Quellen erwähnt wird, ist der Plazenta-Smoothie. Dieser besteht aus einer Mischung aus Plazentapulver, Früchten, Joghurt und Wasser. Laut einigen Anhängern soll dieser Smoothie die Milchproduktion fördern und den Energiehaushalt der Mutter positiv beeinflussen. Allerdings gibt es keine wissenschaftliche Bestätigung für diese Behauptungen.

Ein weiteres Rezept, das im Internet kursiert, ist die Plazenta-Lasagne. Hierbei wird die Plazenta in Schichten mit Gemüse, Soße und Nudeln vermischt. Einige Anhänger behaupten, dass diese Zubereitungsart den Geschmack der Plazenta verdecke und gleichzeitig Nährstoffe beizubringen.

Es gibt auch Rezepte für Plazenta-Kuchen, bei dem das Pulver in den Teig gemischt wird. Ebenso werden Rezepte für Plazenta-Bolognese genannt, bei denen die Nachgeburt in eine Soße verarbeitet wird. Solche Rezepte sind jedoch äußerst kontrovers und finden bei vielen Frauen Ekel auslösende Reaktionen.


Warum wird die Plazenta gegessen?

Laut einigen Quellen wird die Plazentophagie vor allem deshalb praktiziert, weil sie angeblich positive Effekte auf die postnatale Gesundheit der Mutter haben könnte. Angebliche Vorteile sind:

  • Energetisierende Wirkung
  • Schmerzlinderung
  • Förderung der Milchproduktion
  • Vermeidung von postnatalen Depressionen

Diese Vorteile sind jedoch nicht wissenschaftlich belegt. Einige Experten warnen davor, dass der Verzehr der Plazenta keine nachweisbaren gesundheitlichen Vorteile bringt und sogar Risiken birgt.

Die Plazenta dient als Filter für Schadstoffe, die während der Schwangerschaft im Blutkreislauf der Mutter vorkommen. Schwermetalle wie Quecksilber, Blei oder Cadmium können sich während der Schwangerschaft in der Plazenta anreichern. Ein Verzehr dieser Substanzen könnte demnach gefährlich sein.

Ein weiteres Argument gegen die Plazentophagie ist, dass die Nährstoffe, die in der Plazenta enthalten sein könnten, in nicht ausreichender Menge vorhanden sind, um eine nennenswerte Wirkung zu erzielen.


Die wissenschaftliche Haltung

Die wissenschaftliche Haltung zum Plazenta-Essen ist vorsichtig und kritisch. Experten warnen davor, dass die Plazenta möglicherweise Schadstoffe enthalten könnte, die während der Schwangerschaft angesammelt wurden. Zudem gibt es keine belastbaren Studien, die die Vorteile der Plazentophagie bestätigen.

Ein Gynäkologe aus Wien hat sich öffentlich gegen den Verzehr der Plazenta ausgesprochen und betont, dass es keine wissenschaftlichen Belege gibt, die die positiven Effekte des Plazenta-Essens stützen. Zudem könne der Verzehr der Plazenta aufgrund der Schadstoffbelastung sogar schädlich sein.

Ein weiteres Problem ist, dass Frauen, die sich für die Plazentophagie entscheiden, oft aus einem alternativen, homöopathischen oder esoterischen Umfeld stammen. Dies könnte eine positivere Erwartungshaltung bedingen, wodurch eventuelle positive Effekte subjektiv wahrgenommen werden – unabhängig davon, ob sie objektiv existieren.


Risiken und Grenzen

Ein wesentlicher Grund für die Warnungen gegen das Plazenta-Essen ist die potenzielle Schadstoffbelastung. Schwermetalle wie Quecksilber, Blei und Cadmium können sich in der Plazenta anreichern, da sie als Filter zwischen Mutter und Kind fungiert. Ein Verzehr dieser Substanzen könnte die Gesundheit der Mutter beeinträchtigen.

Ein weiteres Problem ist die Hygiene. Die Plazenta ist nach der Geburt ein biologisches Material, das unter sterilen Bedingungen behandelt werden müsste, um Keime zu vermeiden. In der Praxis wird dies oft nicht gewährleistet, wodurch Infektionsrisiken bestehen können.

Zudem ist die Nährstoffdichte der Plazenta möglicherweise nicht ausreichend, um eine nennenswerte Wirkung auf die Gesundheit der Mutter zu erzielen. Experten betonen, dass die Vorteile, die mit der Plazentophagie in Verbindung gebracht werden, nicht nachweisbar sind.


Alternative Verwendungen der Plazenta

Neben dem Verzehr gibt es auch andere Verwendungsmöglichkeiten für die Plazenta. Einige Frauen entscheiden sich dafür, die Plazenta der Forschung zu spenden, um das Verständnis über die Funktion dieses Organs zu erweitern. Zudem wird die Plazenta in manchen Fällen in homöopathischen oder esoterischen Anwendungen weiterverarbeitet.

Ein weiteres kreatives Verfahren ist die Herstellung von Plazenta-Schmuck. Dabei wird das getrocknete Plazentapulver in einen Kettenanhänger eingearbeitet, um ein bleibendes Andenken zu schaffen. Ebenso wird die Plazenta als Teil von Kunstprojekten verwendet, bei denen das Organ auf Leinwand oder Papier gedrückt wird, um ein verästeltes Muster zu erzeugen.


Zusammenfassung

Die Plazentophagie ist ein kontroverses Thema, das sowohl in der alternativen Szene als auch in der wissenschaftlichen Gemeinschaft diskutiert wird. Während einige Frauen den Verzehr der Plazenta als Teil einer natürlichen Geburtspraxis betrachten, warnen Experten vor möglichen gesundheitlichen Risiken und fehlender wissenschaftlicher Begründung.

Im Internet finden sich zahlreiche Rezepte, die zeigen, wie die Plazenta in der Küche verarbeitet werden kann. Zudem gibt es Möglichkeiten, die Plazenta zu Kapseln, Pulver oder homöopathischen Mitteln weiterzubearbeiten. Diese Verfahren sind jedoch nicht wissenschaftlich belegt und können aufgrund der Schadstoffbelastung sogar schädlich sein.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Trend des Plazenta-Essens in den letzten Jahren an Popularität gewonnen hat, aber wissenschaftliche Beweise für die angeblichen Vorteile fehlen. Frauen, die sich für die Plazentophagie entscheiden, sollten sich über die möglichen Risiken bewusst sein und Rücksprache mit medizinischen Experten halten.


Quellen

  1. echtemamas.de
  2. t-online.de
  3. chefkoch.de
  4. elternundbaby.com
  5. deutschlandfunk.de

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