Der Kirschplotzer zählt zu den ikonischen Rezepten der badischen und pfälzischen Küchenkultur. Ein Kirschkuchen, der mit altbackenem Brot oder Zwieback zubereitet wird, ist nicht nur regional bekannt, sondern auch ein Aushängeschild der traditionellen Backkunst. In dieser umfassenden Anleitung werden die verschiedenen Rezeptvarianten, die Zutaten, die Zubereitung und die Besonderheiten des Kirschplotzers detailliert vorgestellt. Alle Rezepte basieren auf traditionellen Anleitungen, die in regionalen Blogs, Rezeptbüchern oder von Familien weitergegeben wurden.
Einführung in den Kirschplotzer
Der Kirschplotzer ist ein Kirschkuchen mit einem besonders dichten, saftigen Teig, der durch altbackenes Brot oder Zwieback entsteht. Kirschen – entweder mit oder ohne Stein – sind das dominierende Aroma und sorgen für die typische Süße, die durch Gewürze wie Zimt und Kirschwasser noch unterstrichen wird. Der Kuchen kann heiß serviert werden, meist mit Vanillesauce oder Kirschgrütze, und ist ein Klassiker der Sommersaison.
Im Gegensatz zu anderen Kuchenvarianten ist der Kirschplotzer kein luftiger oder leichter Kuchen. Er ist reichhaltig und sättigend, was ihn besonders bei größeren Familien oder als Backprojekt für Festlichkeiten beliebt macht.
Rezeptvarianten des Kirschplotzers
Die Rezeptvarianten des Kirschplotzers unterscheiden sich in einigen Details, aber die Grundzutaten bleiben meist gleich: Kirschen, altbackenes Brot oder Zwieback, Eier, Zucker, Butter, Mandeln oder Haselnüsse, Zimt und Kirschwasser. Hier sind einige Beispiele aus den Quellen:
1. Badischer Kirschplotzer mit Zwieback und Mandeln
Zutaten:
- 1 kg schwarze Süßkirschen
- 3/8 l Milch
- 250 g Zwieback oder 4 trockene Brötchen
- 4 Eier
- 90 g Butter
- 50 g Zucker
- 50 g gemahlene Mandeln
- 1 Messerspitze Zimtpulver
- 3 EL Kirschsaft
- 50 g Mandelblättchen
- Fett für die Form
Zubereitung:
- Die Milch in einem Topf erhitzen. Den Zwieback in kleine Stücke bröckeln und mit heißer Milch übergießen, einweichen lassen und abkühlen.
- Die Eier trennen. Das geschlagene Eiweiß unter die Masse heben.
- 60 g Butter schaumig rühren und die Eigelbe sowie Zucker nach und nach dazugeben.
- Mandeln, Zimt, Kirschsaft und zum Schluss die Zwiebackmasse hinzufügen.
- Die Kirschen untermischen.
- Den Backofen auf 200°C (Gas Stufe 3–4) vorheizen. Eine Auflaufform einfetten.
- Den Teig einfüllen. Die restliche Butter in Flöckchen darauf geben und mit Mandelblättchen garnieren.
- 1 Stunde backen. Warm oder kalt mit Vanillesauce servieren.
2. Kirschenplotzer mit Schwarzbrot und Haselnüssen
Zutaten:
- 6 Brötchen vom Vortag
- 125 g Butter oder Margarine
- 125 g Zucker
- 3 Eier (getrennt)
- 1 EL Zimt
- 1 Messerspitze Nelken
- 2 EL Kirschwasser
- 125 g Haselnüsse oder Mandeln
- 1 kg Kirschen (entsteint oder nicht)
Zubereitung:
- Brötchen in kaltem Wasser einweichen, ausdrücken und zu einer weichen Masse verrühren.
- Butter, Zucker, Eigelb schaumig rühren. Eiweiß separat zu Schnee schlagen.
- Gewürze, verrührte Brötchen, Mandeln oder Haselnüsse, Kirschwasser und Kirschen zugeben.
- Vorsichtig den Eischnee unterheben.
- Eine Backform (28 cm) fetten, Teig einfüllen.
- 1 Stunde bei 180 Grad mit Umluft backen.
3. Kirschenplotzer mit Rum und Schokolade
Zutaten:
- 250 g Zucker
- 150 g weiche Butter
- 5 Eier
- 150 g gemahlene Walnüsse
- 150 g Mehl
- 100 g geraspelte Schokolade
- 2 TL Backpulver
- 4 EL Rum
- 500 g Sauerkirschen (entsteint)
- Semmelbrösel für die Backform
- Puderzucker
Zubereitung:
- Weiche Butter mit dem Zucker hell schaumig rühren.
- Eier nach und nach zugeben und jeweils ca. 1/2 Minute aufschlagen.
- Walnüsse, Mehl, Schokolade, Backpulver und Rum unterrühren.
- Die entsteinten Kirschen untermischen.
- Die Masse in eine gefettete Form geben und bei 180°C ca. 45–50 Minuten backen.
- Vor dem Servieren mit Puderzucker bestreuen.
Besonderheiten und Tipps für die Zubereitung
1. Verwendung von altbackenem Brot oder Zwieback
Die Grundlage des Kirschplotzers ist altbackenes Brot oder Zwieback. Es verleiht dem Kuchen seine besondere Konsistenz und sorgt dafür, dass er nicht so schnell trocken wird. Je nach Rezept kann Schwarzbrot, Weißbrot oder Vollkornbrötchen verwendet werden. Es wird meist in Milch oder kaltem Wasser eingeweicht, um eine cremige Masse zu erzeugen, die in den Teig eingearbeitet wird.
2. Kirschen mit oder ohne Stein
Einige Rezepte empfehlen, die Kirschen mit Stein zu backen, da sie so ihre Form besser behalten. Andere bevorzugen entsteinte Kirschen, um die Zubereitung zu vereinfachen. Sowohl Süßkirschen als auch Sauerkirschen können verwendet werden. Süßkirschen sind in der Regel saftiger, während Sauerkirschen eine leicht bittere Note hinzufügen können, die sich besonders gut mit Zucker und Gewürzen verträgt.
3. Kirschwasser oder Rum – ein typisches Aroma
Kirschwasser oder Rum sind traditionell in vielen Kirschplotzer-Rezepten enthalten. Sie verleihen dem Kuchen eine feine, fruchtige Note, die sich ideal mit den Kirschen und dem Zimt kombiniert. In einigen Rezepten wird auch Weißwein verwendet, um die Geschmacksrichtung abzurunden.
4. Mandeln oder Haselnüsse als Crunch-Faktor
Nüsse oder gemahlene Mandeln sorgen für einen nussigen Geschmack und einen leichten Crunch. In einigen Rezepten werden die Nüsse nur in die Masse eingearbeitet, in anderen werden sie als Topping genutzt, um den Kuchen optisch und geschmacklich abzurunden.
5. Vanillesauce oder Kirschgrütze als serviertipp
Der Kirschplotzer wird oft mit Vanillesauce oder Kirschgrütze serviert. Eine Vanillesauce kann aus Milch, Eigelb, Speisestärke, Zucker und einer Vanilleschote hergestellt werden. Die Kirschgrütze ist eine leckere Variante, die aus Kirschen, Zucker, Wasser und Speisestärke zubereitet wird. Beide Varianten sind einfach herzustellen und sorgen für eine cremige Konsistenz.
Kirschplotzer als Muffins – eine moderne Variante
Eine moderne Interpretation des Kirschplotzers sind Muffins, die die traditionellen Zutaten in eine handliche Form bringen. In einem Rezept wird beschrieben, wie Kirschen, Zwieback, Mandeln und Kirschwasser in eine Muffinform eingesetzt werden. Der Vorteil dieser Variante ist, dass sie ideal für Sommerpartys, Picknicks oder als Snack geeignet ist. Die Muffins sind saftig, aber nicht zu schwer, und können mit Puderzucker bestäubt werden.
Zutaten (für 12 Muffins):
- 500 g Kirschen
- 50 ml Wasser
- Zitronenabrieb
- 1 Zimtstange
- 100 g Zucker
- 1/2 EL Speisestärke
- 75 g Butter
- 90 g Zucker
- 3 Eier
- 90 g gemahlene Mandeln
- 90 g Zwieback
- 40 ml badischer Weißwein
- 2 EL Kirschwasser
- 1/4 TL Zimt
- 1/4 TL Kardamom
- 500 g Kirschen mit Stein
- 1 Prise Salz
- 1 EL Puderzucker
Zubereitung:
- Die Kirschen waschen und entkernen.
- 50 ml Wasser in einen Topf füllen und die Kirschen hinzufügen.
- Zitronenabrieb, einen Spritzer Zitronensaft und eine Stange Zimt dazugeben und die Grütze unter ständigem Rühren aufkochen lassen.
- Die restlichen Zutaten (Butter, Zucker, Eier, Mandeln, Zwieback, Weißwein, Kirschwasser, Zimt, Kardamom) vermengen.
- Die Kirschen untermischen und in Muffinförmchen füllen.
- Bei 180°C ca. 25–30 Minuten backen.
- Mit Puderzucker bestäuben und servieren.
Schlussfolgerung
Der Kirschplotzer ist ein Rezept, das die badische und pfälzische Küche hervorragend veranschaulicht. Er vereint traditionelle Zutaten wie altbackenes Brot, Kirschen und Nüsse mit typischen Aromen wie Kirschwasser, Zimt und Rum. Ob als Kuchen oder als moderne Muffin-Variante – der Kirschplotzer ist immer ein Highlight, besonders in der Sommersaison, wenn die Kirschen reif sind.
Die Rezeptvarianten sind vielfältig, und es gibt kaum eine falsche Methode, den Kuchen zu backen. Jede Familie hat ihr eigenes Lieblingsrezept, das von Generation zu Generation weitergegeben wird. Mit den hier vorgestellten Rezepten und Tipps ist es einfach, den Kirschplotzer nachzubacken und so die regionale Kochkunst zu bewahren.