Alte Springerle-Rezepte und Traditionen – Von der Herstellung bis zur Haltbarkeit

Springerle, ein typisches Weihnachtsgebäck mit langer Tradition, zählt zu den kunstvollsten und faszinierendsten Gebäcken im süddeutschen Raum. Diese filigranen, meist mit Anis verfeinerten Plätzchen erfordern nicht nur handwerkliches Geschick, sondern auch Geduld und Vorbereitung. In den Quellen wird deutlich, dass Springerle nicht nur ein Snack sind, sondern ein Stück Kultur, das sich über Jahrhunderte bewahrt hat. In diesem Artikel werden die historischen Wurzeln, das Herstellungsverfahren sowie Tipps zur Aufbewahrung und Haltbarkeit im Detail vorgestellt, basierend auf authentischen Rezepten und Erklärungen aus traditionellen Backkursen.

Die Herkunft und historische Bedeutung

Springerle zählen zu den ältesten Formgebäcken in Deutschland. Bereits im 17. Jahrhundert sind verzierte Modeln nachweisbar, die heute noch von Generation zu Generation weitergegeben werden (Quelle 5). Der Name „Springerle“ stammt vermutlich von der Tatsache, dass das Gebäck beim Backen „aufspringt“ und ein sogenanntes „Füßle“ bekommt – eine feine, knusprige Unterseite, die besonders charakteristisch ist.

Früher wurden Springerle auch „Eier- oder Bauernmarzipan“ genannt (Quelle 5), was auf ihre Herkunft als billigeres Ersatz für teures Marzipan hindeutet. Während echtes Marzipan aus Mandeln und Zucker hergestellt wurde, setzte man bei Springerle auf erschwinglichere Zutaten wie Eier, Mehl und Zucker. Dies machte das Gebäck zugänglich für breitere Bevölkerungsschichten, insbesondere nach dem 19. Jahrhundert, als Rübenzucker die Verbreitung erleichterte (Quelle 5).

Die Herstellung von Springerle war nicht nur ein Hobby, sondern auch eine Form der Vorratshaltung. Traditionell wurden sie etwa vier Wochen vor Weihnachten gebacken, was oft mit dem Andreastag zusammenfiel, einem Brauchtumstag mit besonderer Bedeutung für das Backen und die Haushaltung (Quelle 5). Anis, der in den Springerleteig eingebacken wird, galt damals als stimulierend und anregend, was möglicherweise auch symbolisch in die Formen eingeflossen ist.

Das Rezept – Traditionelle Zutaten und Zubereitung

Ein typisches Springerle-Rezept erfordert sorgfältige Vorbereitung und Geduld. Im folgenden Abschnitt wird ein Rezept beschrieben, das sich auf die traditionellen Methoden stützt und in mehreren Quellen erwähnt wird (Quellen 4 und 2).

Zutaten

Für etwa zwei Bleche Springerle werden folgende Zutaten benötigt:

  • 4 Eier (Größe M, ca. 200 g)
  • 500 g Puderzucker
  • 10 g Kirschwasser oder Wasser
  • 1 abgeriebene Schale einer Biozitrone
  • 500 g Weizenmehl (Typ 405/550)
  • 2 g Hirschhornsalz
  • 4 g gemahlener Anis

Weitere Zutaten

  • Speisestärke (zur Verarbeitung des Teigs)
  • ganzer Anis zum Bestreuen der Backbleche

Ausrüstung

  • Model zum Prägen
  • Teigrad oder Pizzarad zum Ausstechen
  • gefettetes Backblech

Vorgehensweise

  1. Die Eier werden getrennt. Das Eiweiß wird zu einem festen Eischnee aufgeschlagen und mit dem gesiebten Puderzucker unterschlagen.
  2. Anschließend werden die Eigelbe, das Kirschwasser (oder Wasser) und die Zitronenschale unter den Eischnee gerührt.
  3. In einer separaten Schüssel werden Mehl, Hirschhornsalz und Anis vorgegeben.
  4. Die Eimasse wird langsam unter das Mehl-Mischung gerührt, bis ein glatter, fester Teig entsteht.
  5. Der Teig wird auf eine gut bestäubte Arbeitsfläche gegeben und mit dem Teigrad oder Pizzarad ausgestochen. Dabei wird ein Model verwendet, um die typischen Verzierungen auf das Gebäck zu prägen.
  6. Die geformten Springerle werden auf gefettete Backbleche gelegt und mit ganzen Anis bestreut.
  7. Die Springerle müssen für etwa 20 Stunden ruhen, sodass das Bild oben an trocknet, während die Unterseite weich bleibt. Dies ist entscheidend für das Entstehen des „Füßles“ (Quelle 3).
  8. Anschließend werden die Springerle langsam in einem Ofen mit niedriger Temperatur getrocknet, bis sie knusprig sind.

Tipps für Anfänger und Experten

Die Herstellung von Springerle erfordert nicht nur die richtigen Zutaten, sondern auch technisches Wissen und Geduld. Im Folgenden werden einige Tipps zusammengestellt, die aus den Quellen hervorgehen und hilfreich für alle Backfreunde sind:

1. Vorbereitung ist alles

Einige Quellen erwähnen, dass die Vorbereitung der Zutaten und Geräte bereits vor dem eigentlichen Backvorgang erfolgen sollte. So brachten die Teilnehmer eines Backkurses zum Beispiel den bereits vorbereiteten Teig mit, damit sie sich direkt auf das Modellieren konzentrieren konnten (Quelle 1). Dies spart Zeit und ermöglicht ein besseres Ergebnis.

2. Das richtige Model wählen

Modeln, die zum Prägen verwendet werden, sind oft in Familien über Generationen weitergegeben und gelten als wertvolle Schätze (Quelle 1). Sie bestehen meist aus Holz und sind kunstvoll geschnitzt. Bei der Auswahl eines Models ist es wichtig, dass es gut geölt ist, damit der Teig nicht daran haftet.

3. Geduld beim Backen

Springerle werden nicht wie herkömmliche Plätzchen gebacken, sondern langsam getrocknet. Dieser Prozess kann mehrere Tage dauern, je nach Ofentemperatur und Luftfeuchtigkeit. Es ist wichtig, den Ofen auf eine niedrige Temperatur zu stellen, um ein Verbrennen zu vermeiden. Die Springerle sollten sich langsam trocknen lassen, bis sie eine harte, knusprige Konsistenz erreichen.

4. Der Schlüssel zum „Füßle“

Ein besonderes Merkmal von Springerle ist das sogenannte „Füßle“, eine feine, knusprige Unterseite, die beim Backen entsteht. Dieser Effekt wird durch das vorherige Ruhen der Springerle auf einem gefetteten Backblech erzeugt. Dabei trocknet die Oberseite an, während die Unterseite weich bleibt (Quelle 3). Dies ist entscheidend für das Endergebnis.

5. Verwendung des restlichen Teigs

Nicht immer ist es möglich, den gesamten Teig in die gewünschten Formen zu bringen. In solchen Fällen kann der übrige Teig in Form von einfachen Ausstechplätzchen verwendet werden, die dann als „Probiererle“ bezeichnet werden (Quelle 3). Diese können auf dem Weihnachtsmarkt verkauft oder als Probierstücke für Freunde und Familie angeboten werden.

Haltbarkeit und Aufbewahrung

Ein weiteres wichtiges Thema, das in den Quellen angesprochen wird, ist die Haltbarkeit von Springerle. Frisch gebacken sind sie oft sehr hart, was bei vielen Menschen unangenehm empfunden wird. Um das zu vermeiden, werden sie in einer geschlossenen Blechdose gelagert, sodass sie nach einiger Zeit „reifen“ können. Diese Reifung verleiht ihnen eine weichere Konsistenz, die besser mundet (Quelle 4).

Springerle lassen sich über einen längeren Zeitraum aufbewahren, wodurch sie ideal für Weihnachtsvorbereitungen sind. Allerdings sollten sie nicht zu trocken gelagert werden, da sie dann ungenießbar werden können (Quelle 4).

Traditionelle Backkurse und moderne Anpassung

Die Teilnahme an traditionellen Backkursen kann besonders für Anfänger hilfreich sein. In einer Quelle wird beschrieben, wie eine Gruppe von Frauen unter der fachkundigen Leitung von Doris Kirschmann Springerle herstellte (Quelle 1). Solche Kurse ermöglichen es, nicht nur das Rezept zu erlernen, sondern auch die kulturelle und historische Bedeutung der Springerle kennenzulernen.

Ein weiteres Beispiel ist die Back-Aktion der evangelischen Kirchengemeinde in Kirchheim, bei der Springerle nach dem Originalrezept von Ingeborg Hölzle hergestellt werden (Quelle 3). Diese Aktion zeigt, wie Springerle auch heute noch als Teil der Weihnachtsvorbereitungen und als Charity-Projekt dienen können.

Schlussfolgerung

Springerle sind mehr als nur ein typisches Weihnachtsgebäck – sie sind ein Symbol für Tradition, handwerkliche Kunst und die kulturelle Identität vieler Regionen in Süddeutschland. Die Herstellung erfordert nicht nur die richtigen Zutaten, sondern auch Geduld und Kenntnis der speziellen Techniken. Mit einem traditionellen Rezept, wie es in den Quellen beschrieben wird, ist es möglich, diese wundervollen Plätzchen nachzubacken und sie als Teil der Weihnachtsfeierlichkeiten zu genießen.

Dank ihrer Haltbarkeit eignen sich Springerle ideal als Vorrat für die Weihnachtszeit. Zudem ist die Backkunst, die hinter ihnen steht, eine wertvolle Tradition, die durch die Weitergabe an die nächste Generation bewahrt werden kann. Ob als Geschenk oder als Teil der eigenen Weihnachtsausstattung – Springerle sind ein unverzichtbarer Bestandteil der süddeutschen Backkultur.

Quellen

  1. Springerle backen – eine alte Tradition
  2. Springerle backen wie die Uroma
  3. Springerle nach altem Rezept
  4. Schwäbische Springerle
  5. Frankische Springerle

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