Pharisäer – Das nordfriesische Nationalgetränk und sein Rezept mit Seele

Der Pharisäer ist nicht einfach ein beliebiges Kaffeegetränk – er ist ein nordfriesisches Nationalgetränk mit einer faszinierenden Geschichte und einer speziellen Zubereitungsweise. Seine Herkunft reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück und hat engen Bezug zu den Sitten und Bräuchen der Nordfriesen. Obwohl es keine einheitliche Rezeptvorgabe gibt, folgen die meisten Anwender ähnlichen Grundprinzipien, um diese Kaffeekreation mit Sahne und Rum zu bereiten. In diesem Artikel werden die verschiedenen Rezeptvarianten, die Zubereitungsmethode, die historische Entstehungsgeschichte sowie die typischen Zutaten des Pharisäers detailliert beschrieben.

Die Herkunft und Entstehung des Pharisäers

Die Entstehung des Pharisäers ist eng verbunden mit der nordfriesischen Kultur und den gesellschaftlichen Verhältnissen im 19. Jahrhundert. Eines der verbreitetsten Erzählungen besagt, dass der Pharisäer während einer Kindstaufe auf der Halbinsel Nordstrand entstand. Der Pastor Georg Bleyer, ein strenger und asketischer Mann, war als Gast auf der Taufgesellschaft anwesend. In seiner Gegenwart war es für die Gäste und Gastgeber üblich, auf Alkohol zu verzichten. Der Bauer Johannsen, der als Gastgeber fungierte, wollte jedoch nicht auf ein traditionelles „Prost“ verzichten und entwickelte daher eine List. Er bereitete ein Kaffeegetränk mit Rum zu, wobei eine dicke Schlagsahnehaube dafür sorgte, dass der Pastor den Alkohol nicht riechen konnte. Als der Pastor versehentlich einen Pharisäer trank, soll er laut ausgerufen haben: „Ihr Pharisäer!“, wodurch das Getränk seinen Namen bekam.

Diese Geschichte wird in mehreren Quellen erwähnt, wobei die Details leicht variieren. So ist beispielsweise in einer Quelle zu lesen, dass es sich um die Taufe des sechsten oder siebenten Kindes des Bauern Peter Johannsen handelte. Andere Quellen betonen die Rolle des Pastors Georg Bleyer, der als besonders asketisch galt und dessen Reaktion den Namen des Getränks prägte. Obwohl die genaue historische Genauigkeit dieser Erzählung nicht immer belegt ist, ist sie ein fester Bestandteil der nordfriesischen Kaffeekultur.

Rezeptvarianten und Zubereitungsmethoden

Die Zubereitungsweise des Pharisäers ist einfach, aber dennoch von großer Bedeutung für das Endergebnis. Im Gegensatz zu anderen Kaffeegetränken wird der Pharisäer traditionell nicht umgerührt, sondern durch die Sahnehaube getrunken. Dieser Aspekt unterstreicht die handwerkliche Komponente, die in der Zubereitung liegt. Obwohl es keine einheitliche Vorgabe für die Menge der Zutaten gibt, haben sich in der Gastronomie bestimmte Mengenangaben etabliert, die oft durch Gerichtsurteile oder Tradition bestätigt wurden.

Die Grundzutaten für einen Pharisäer sind:

  • starker, handgebrühter Kaffee
  • brauner Rum (meist Jamaika-Rum oder Jamaika-Verschnitt mit ca. 54 % Alkoholgehalt)
  • frische Schlagsahne
  • Würfelzucker

Einige Rezeptvarianten enthalten auch Schokoraspeln oder andere Verzierungen, die jedoch nicht zur Grundzubereitung gehören. Im Folgenden werden einige der verbreitesten Rezeptvorschläge detailliert beschrieben:

Rezept 1: Klassischer Pharisäer mit Rum und Sahne

Zutaten: - 1 Tasse starker, handgebrühter Kaffee
- 40 ml brauner Rum
- frische Schlagsahne (ungesüßt)
- 2 Hände voller Liebe (symbolisch)
- 1 Würfelzucker

Zubereitung: 1. Den Würfelzucker in eine angewärmte Tasse geben. 2. Anschließend den angewärmten braunen Rum über den Zucker gießen. 3. Den Kaffee auffüllen. 4. Die Tasse mit einer dicken Schicht frischer Schlagsahne bedecken. 5. Nicht umrühren – den Pharisäer wird durch die Sahnehaube getrunken.

Rezept 2: Pharisäer mit Sahnehaube und Rum

Zutaten: - starker, frisch gebrühter Kaffee
- Würfelzucker
- 4 cl Rum (Jamaika-Rum oder Jamaika-Verschnitt mit 54 % Vol.)
- steif geschlagene Sahne

Zubereitung: 1. Den Würfelzucker in die Tasse geben. 2. Den angewärmten Rum über den Zucker gießen. 3. Mit dem handgebrühten Kaffee auffüllen. 4. Die Tasse mit steif geschlagener Sahne abdecken. 5. Nicht umrühren – trinken durch die Sahne.

Rezept 3: Pharisäer mit Schokoraspeln

Zutaten: - starker, handgebrühter Kaffee
- Würfelzucker
- 40 ml brauner Rum
- Schlagsahne
- Schokoraspeln

Zubereitung: 1. Würfelzucker in eine Tasse geben. 2. Rum darauf gießen. 3. Kaffee auffüllen. 4. Sahne darauf geben. 5. Die Tasse mit Schokoraspeln garnieren.

Diese drei Varianten sind die am häufigsten genannten in den Quellen. Es ist erwähnenswert, dass in einigen Quellen auch die Verwendung von Orangenlikör oder anderen Zutaten erwähnt wird, diese Rezeptvarianten sind jedoch seltener und finden sich nicht in allen Quellen wieder.

Die Rolle der handgebrühten Kaffeezubereitung

Ein entscheidender Aspekt des Pharisäers ist die Verwendung von handgebrühtem Kaffee. Im Gegensatz zu Kaffeeautomaten oder Filterkaffee bringt handgebrühter Kaffee eine intensivere Aromatik und einen vollen Geschmack, der sich besonders gut mit Rum und Sahne kombiniert. In mehreren Quellen wird betont, dass moderne Kaffeemaschinen den Charakter des Pharisäers nicht vollständig ersetzen können. Die Qualität des Kaffees hat daher einen direkten Einfluss auf die Aromatik und den Geschmack des Pharisäers.

Der Pharisäer als Teil der nordfriesischen Kultur

Der Pharisäer ist mehr als nur ein Getränk – er ist ein Symbol für die nordfriesische Lebensart. In vielen nordfriesischen Gaststätten und Cafés ist er ein fester Bestandteil der Getränkekarte. Es ist jedoch erwähnenswert, dass der Pharisäer in einer hohen Tasse mit Fuß und dem Schriftzug „Pharisäer“ traditionell nicht serviert wird. Diese Variante wurde später für Touristen entwickelt, während im Alltag ein einfacher Becher oder eine Tasse verwendet wird.

Die soziale Funktion des Pharisäers liegt in seiner Wärme – nicht nur für die Hände, sondern auch für das Herz. In den nordfriesischen Regionen ist es üblich, Pharisäer in der kalten Jahreszeit zu trinken, um sich von innen zu wärmen. Dieser Aspekt wird in mehreren Quellen betont, wo der Pharisäer als „Kaffee mit Seele“ bezeichnet wird.

Pharisäer und Alkohol – ein sensibler Aspekt

Da der Pharisäer alkoholisch ist, sollte er mit Vorsicht konsumiert werden. In einigen Quellen wird erwähnt, dass der Pharisäer nicht für Kinder oder schwangere Frauen geeignet ist. Die Alkoholkonzentration variiert je nach Zubereitungsart, wobei eine typische Portion zwischen 40 ml und 50 ml Rum liegt. In der Gastronomie sind oft Mengenangaben standardisiert, um die Qualität und Sicherheit des Getränks zu gewährleisten.

Pharisäer – ein Getränk mit Geschichte und Seele

Die Kombination aus Kaffee, Rum und Sahne, die durch die Geschichte des Pharisäers noch verstärkt wird, macht ihn zu einem einzigartigen Getränk. Es ist ein Getränk, der nicht nur Geschmack, sondern auch Emotionen vermittelt. Obwohl es keine einheitliche Rezeptvorgabe gibt, folgen die meisten Zubereitungsweisen ähnlichen Prinzipien, die in den nordfriesischen Regionen über Generationen weitergegeben wurden.

Schlussfolgerung

Der Pharisäer ist ein nordfriesisches Nationalgetränk mit einer faszinierenden Geschichte und einer einfachen, aber charakteristischen Zubereitungsweise. Seine Entstehung ist eng verbunden mit den Sitten und Bräuchen der Nordfriesen im 19. Jahrhundert, und seine aktuelle Bedeutung spiegelt sich in der Wichtigkeit, die er in der nordfriesischen Kultur hat. Obwohl es keine einheitliche Vorgabe für die Menge der Zutaten gibt, haben sich in der Gastronomie Standardrezepte etabliert. Die Zubereitung mit handgebrühtem Kaffee, braunem Rum und frischer Schlagsahne ist entscheidend für das Endergebnis. Der Pharisäer ist nicht nur ein Getränk, sondern ein Symbol für die nordfriesische Lebensart, die Wärme von innen und die Kaffeekultur, die sich über Generationen bewahrt hat.

Quellen

  1. Pharisäer Rezept – Kaffee mit Seele aus Nordfriesland
  2. Heiße alkoholische Getränke für den Winter
  3. Heißer Norddeutscher Pharisäer
  4. Pharisäer Rezept aus Nordfriesland
  5. Pharisäer Kaffee – Lidl-Kochen
  6. Friesischer Pharisäer Kaffee

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