Löwenzahnhonig nach Hildegard von Bingen – Traditionelles Rezept und gesunde Anwendung

Löwenzahnhonig, ein traditionelles Rezept, das auf die Erkenntnisse der mittelalterlichen Heilerin Hildegard von Bingen zurückgeht, hat in der heutigen Zeit erneut an Bedeutung gewonnen. Dieser Honigersatz, der aus den Blüten des Löwenzahns hergestellt wird, ist nicht nur ein natürlicher Süßstoff, sondern auch ein wertvolles Mittel in der traditionellen Naturheilkunde. In diesem Artikel wird das historische und praktische Wissen über das Rezept näher erläutet, inklusive der Zubereitungsmethoden, der Verwendungsmöglichkeiten und der gesundheitlichen Vorteile.


Die Tradition hinter dem Rezept

Hildegard von Bingen (1098–1179) war eine Benediktinerin, Philosophin, Theologin und Heilerin, die sich intensiv mit der Naturheilkunde beschäftigte. Ihre Schriften enthalten zahlreiche Rezepte und Heilmethoden, die auf der Beobachtung der Natur basierten. Eines dieser Rezepte ist der sogenannte Löwenzahnhonig, der aus den Blüten des Löwenzahns (Taraxacum officinale) hergestellt wird. Der Löwenzahn, der oft als Unkraut abgetan wird, war für Hildegard jedoch eine wertvolle Pflanze mit heilenden Eigenschaften.

Die Idee des Löwenzahnhonigs ist, den Geschmack und die Wirkung des Honigs durch eine pflanzliche Alternative zu ersetzen. Dieses Rezept war damals nicht nur eine Antwort auf die Unverfügbarkeit von Honig in bestimmten Regionen, sondern auch eine Methode, die gesundheitlichen Vorteile des Löwenzahns in Form eines sirupartigen Getränks oder Brotaufstrichs zu nutzen.


Die wertvollen Eigenschaften des Löwenzahns

Der Löwenzahn ist eine Pflanze mit zahlreichen nützlichen Inhaltsstoffen. Laut mehreren Quellen enthält er Vitamine wie A, C, D, B-Komplex, Kalium, Eisen, Magnesium, Kalzium und Phosphor. Er wird in der Naturheilkunde traditionell bei Leber- und Nierenbeschwerden, Magenerkrankungen sowie bei Ermüdung eingesetzt.

Diese Eigenschaften machen den Löwenzahn besonders interessant für die Herstellung von Sirupen und Honigersätzen. Durch den Verarbeitungsprozess im Rezept nach Hildegard von Bingen bleiben viele dieser nützlichen Substanzen erhalten, was den Löwenzahnhonig zu einem wertvollen Produkt macht.


Das traditionelle Rezept nach Hildegard von Bingen

Zutaten

  • 100 g frische, unbelastete Löwenzahnblüten (ca. 3 Hände voll)
  • 750 ml Wasser
  • 1 kg brauner Zucker (ersatzweise Vollrohrzucker)
  • Saft einer halben Zitrone
  • Optional: Abrieb einer halben unbehandelten Zitrone

Zubereitung

  1. Blüten sammeln: Sammle die Löwenzahnblüten an einem trockenen, sonnigen Tag. Achte darauf, sie fern von Straßen, Düngemitteln oder anderen Verschmutzungen zu pflücken.

  2. Einweichen: Gib die Blüten in einen Topf und übergieße sie mit 750 ml Wasser. Decke den Topf ab und lasse die Blüten etwa 2 Stunden ziehen.

  3. Aufkochen: Erwärme die Mischung vorsichtig, bis das Wasser kurz vor dem Siedepunkt ist. Anschließend lässt du die Flüssigkeit langsam abkühlen.

  4. Über Nacht ziehen lassen: Lass die Blüten im Wasser über Nacht ziehen (10–15 Stunden).

  5. Abseihen: Filtere die Blüten mithilfe eines Siebs oder Mulltuches ab.

  6. Zucker hinzufügen: Gib den Zucker und den Zitronensaft (und ggf. den Zitronenabrieb) in die Flüssigkeit. Rühre gut um und bringe die Mischung langsam zum Kochen.

  7. Einkochen: Reduziere die Flamme und lasse die Mischung langsam einköcheln, bis sie Fäden zieht. Dieser Vorgang kann mehrere Stunden dauern. Mache regelmäßig eine Konstanzprobe, um sicherzustellen, dass der Honig die richtige Konsistenz erreicht.

  8. Abfüllen: Fülle den fertigen Honig in saubere, sterile Gläser ab und verschließe sie gut.


Variante: Löwenzahnhonig ohne kochen

Ein weiteres Verfahren, das ebenfalls auf der Idee von Hildegard von Bingen beruht, ist das Zubereiten eines Löwenzahnhonigs ohne das Erhitzen der Zutaten. Dieser Honig bleibt flüssig und enthält keine künstlichen Zusatzstoffe.

Zutaten

  • 100 g frische Löwenzahnblüten
  • 500 g Akazienhonig

Zubereitung

  1. Blüten trocknen: Spüle die Blüten vorsichtig und trockne sie entweder mit einer Salatschleuder oder über Nacht.

  2. Honig hinzufügen: Gib die Blüten in ein Glas und gieße den Akazienhonig darüber. Schließe das Glas fest.

  3. Blüten aufsteigen lassen: Lass die Blüten im Honig ca. 30 Minuten ziehen, bis sie nach oben steigen. Kehre das Glas vorsichtig um und wiederhole den Vorgang, bis die Blüten nicht mehr aufsteigen.

  4. Abfüllen: Gieße den fertigen Honig in saubere Gläser ab und verschließe sie.


Anwendungsgebiete des Löwenzahnhonigs

Der selbstgemachte Löwenzahnhonig kann in verschiedenen Formen genutzt werden:

  • Als Süßstoff: Er kann als natürliche Alternative zum herkömmlichen Honig in Tees, Smoothies oder auf Brotaufstrichen verwendet werden.
  • Als Gesundheitssirup: Er wird traditionell bei Husten, Atemwegserkrankungen oder zur Stärkung des Immunsystems eingesetzt.
  • Als Hustenhonig: In Kombination mit Nelken, Zimt oder Tannenspitzen kann er als Hustenmedizin dienen.

Ein weiteres Rezept aus den Quellen beschreibt den sogenannten Hustenhonig mit Tannenspitzen oder Baumknospen. Hierbei wird der Löwenzahnhonig mit weiteren pflanzlichen Zutaten kombiniert, um seine entzündungshemmende und antibakterielle Wirkung zu verstärken.


Lagerung und Haltbarkeit

Um die Haltbarkeit des Löwenzahnhonigs zu maximieren, sollte er an einem kühlen, dunklen Ort aufbewahrt werden. Ideal ist eine Vorratskammer oder ein Schrank, der nicht direkt der Sonne ausgesetzt ist. Bei richtiger Lagerung hält sich der Honig etwa ein Jahr.


Weitere Rezeptideen

Neben dem grundlegenden Rezept nach Hildegard von Bingen gibt es weitere Varianten, die sich besonders gut eignen:

  • Hustenhonig mit Nelken und Zimt:

    • 1 Glas Löwenzahnhonig
    • 2 Nelken
    • 1 Zimtstange
    • ggf. 2 Handvoll frische Löwenzahnblüten
    • Die Zutaten 2 Wochen in der Sonne ruhen lassen und dann abfüllen.
  • Betty Bossi Rezept:

    • 100 g frische Löwenzahnblüten
    • 5 dl Wasser
    • 1/2 unbehandelte Zitrone (abgeriebene Schale)
    • 1 EL Zitronensaft
    • 250 g Zucker
    • Zubereitung wie im Grundrezept.

Gesundheitliche Vorteile

Laut mehreren Quellen bietet der Löwenzahnhonig nicht nur geschmackliche Vorteile, sondern auch eine Reihe von gesundheitlichen Nutzen:

  • Stärkung des Immunsystems: Durch die enthaltenen Vitamine und Mineralstoffe wird die körpereigene Abwehr unterstützt.
  • Leber- und Nierenwirksamkeit: In der Homöopathie wird der Löwenzahn traditionell zur Unterstützung der Leber- und Nierenfunktion eingesetzt.
  • Gesunder Brotaufstrich: Als Alternative zu Zucker oder herkömmlichem Honig ist der Löwenzahnhonig ein nahrhafter und natürlicher Brotaufstrich.
  • Teezusatz: In Tees eingesetzt, fördert er die Verdauung und wirkt entgiftend.

Kritische Betrachtung der Rezepte

Einige Rezepte, wie das Löwenzahnhonig ohne kochen, sind weniger verbreitet und nicht in allen Quellen bestätigt. Es bleibt unklar, ob der Begriff "Honig" in diesem Zusammenhang korrekt ist, da Honig in der Regel durch die Verarbeitung von Blütennektar durch Bienen entsteht. Der selbstgemachte Sirup aus Löwenzahnblüten ähnelt jedoch optisch und geschmacklich Honig und wird daher oft unter demselben Namen bezeichnet.


Schlussfolgerung

Der Löwenzahnhonig nach Hildegard von Bingen ist ein Beispiel für die Weisheit der traditionellen Naturheilkunde. Durch die einfache Herstellung und die vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten bietet er eine natürliche Alternative zum konventionellen Honig und kann sowohl kulinarisch als auch medizinisch genutzt werden. Mit den Rezepten aus den Quellen ist es möglich, diesen gesunden Sirup zu Hause herzustellen und in den Alltag zu integrieren.

Durch die Verbindung von Ernährung und Gesundheit setzt das Rezept nach Hildegard von Bingen einen wertvollen Akzent in der modernen Lebensweise und ermutigt, die heilenden Kräfte der Natur bewusst zu nutzen.


Quellen

  1. Hildegard von Bingens Löwenzahnhonig-Rezept – Gesundheit aus der Natur
  2. Löwenzahnhonig-Rezepte-Sammlung
  3. Löwenzahnhonig – Imkerpate
  4. Löwenzahn – Spitzer Wegerich
  5. MAY&BCK's Pusteblume – Whisky-Blog

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