Kochen ist mehr als nur die Zubereitung von Speisen – es ist Ausdruck von Kultur, Tradition und Kreativität. In der heutigen kulinarischen Welt, geprägt von sozialen Medien und digitaler Vernetzung, hat sich Sepp Schellhorn als ein vielseitiger und zugänglicher Koch etabliert. Sein Buch „Sepp, was machst du?“ vereint 90 Rezepte, die sich sowohl für Alltagsgerichte als auch für festliche Anlässe eignen. In diesem Artikel werden die Hintergründe, Rezepte und Rezeptionsmeinungen dieses Kochwerks genauer betrachtet, um einen umfassenden Überblick zu geben.
Ein Profikoch mit vielen Facetten
Sepp Schellhorn, geboren im Salzburger Land, ist nicht nur ein renommierter Koch, sondern auch Unternehmer, Politiker und Social-Media-Aktivist. Sein Einfluss reicht von der österreichischen Wirtshauskultur bis zu internationalen Gastronomietrends. In der Politik war er Präsident der Österreichischen Hoteliervereinigung und ist Mitglied des österreichischen Bundesparlaments. Parallel dazu betreibt er mehrere Restaurants und hat sich in den sozialen Medien – insbesondere auf Instagram, TikTok und YouTube – als sympathischer und humorvoller Koch positioniert.
Sein Buch „Sepp, was machst du?“ ist die schriftliche Zusammenfassung seiner kreativen und praktischen Kochvideos. Es ist im DK Verlag erschienen und richtet sich an Einsteiger, Hobbyköche und alle, die sich für bodenständige und zugängliche Küche interessieren. Der Anspruch des Buches ist klar formuliert: Kochen soll Spaß machen, Sinn ergeben und für jeden zugänglich sein.
Ein Buch für die ganze Familie
Die Rezepte in „Sepp, was machst du?“ sind bewusst einfach gehalten, wobei sie dennoch kulinarisch ansprechend sind. Sie basieren oft auf alltäglichen Zutaten, die sich aus dem eigenen Vorratskasten oder dem nächsten Supermarkt beziehen lassen. Beispiele dafür sind Schinkenfleckerl, Paradeiser-Brot-Suppe oder Thunfisch-Sandwich. Diese Gerichte sind nicht nur schnell zubereitet, sondern auch ausgewogen und lecker. Sie sind ideal für Familien, die sich auf schnelle, aber gute Mahlzeiten konzentrieren.
Ein weiteres Highlight ist der im Ganzen gegarte Blumenkohl mit gehackten Eiern, Kapern und Butterbröseln. Dieses Gericht hat Suchtpotenzial und kann je nach Anlass als Vorspeise, Hauptgericht oder auch als Teil einer Mezzetafel dienen. Es verbindet die Einfachheit der Alltagsküche mit einem Hauch von Eleganz.
Struktur und Aufmachung des Buches
Das Buch ist übersichtlich strukturiert. Jedes Rezept wird auf zwei Seiten abgebildet: eine Seite zeigt das fertige Gericht in authentischen Bildern, die zweite Seite enthält ein humorvolles Vorwort des Autors, gefolgt von der Zutatenliste und den Zubereitungsschritten. Die klare Formatierung macht es leicht, die Rezepte nachzuvorkochen, und die Schreibstil ist zugänglich und unterhaltsam.
Ein weiteres Plus ist die Aufteilung der Rezepturen in Kategorien wie „Fleisch und Fisch“, „Süßspeisen“ oder „Vegetarische Gerichte“. Dies erleichtert die Navigation und ermöglicht es dem Leser, gezielt nach bestimmten Gerichten zu suchen. Besonders hervorzuheben ist die ausgewogene Mischung aus einfachen Alltagsgerichten und etwas aufwendigeren Spezialitäten.
Humor und Zugänglichkeit
Ein weiterer Stärkepunkt des Buches ist die persönliche Note, die Sepp Schellhorn seinen Rezepten verleiht. Seine Vorworte sind humorvoll geschrieben und geben Einblicke in seine Kindheit, seine Leidenschaft für die österreichische Küche und seine Erfahrungen in der Gastronomie. Diese Texte tragen dazu bei, das Buch nicht nur als Kochanleitung, sondern auch als persönliche Anekdote zu verstehen.
Zudem zeigt sich Schellhorn als ein Koch, der Fehler ehrlich einräumt. Ein Beispiel dafür ist die Rezeptur der „Falschen Ente“ aus Knollensellerie, die optisch an gebratene Entenbrüste erinnern soll. In der Praxis erwies sich diese Zubereitungsanleitung als unvollständig und unklar. Die Garzeiten und das Gratinierverfahren müssen angepasst werden, um ein essbares Ergebnis zu erzielen. Solche Kritikpunkte unterstreichen die Authentizität des Autors und zeigen, dass er sich nicht hinter perfekten Bildern versteckt, sondern auch Fehler eingesteht.
Traditionelle Wurzeln und moderne Abwandlungen
Sepp Schellhorn bewegt sich in der Regel in der Tradition der österreichischen Wirtshausküche, in der er aufwuchs. Seine Rezepte spiegeln diese Wurzeln wider, aber sie enthalten auch moderne Elemente, die sich aus seiner Auszeit in Italien ableiten. So sind Gerichte wie Pasta oder Rindsuppe fester Bestandteil seines Repertoires. Die Rindsuppe, die er als „Alpen Alka-Seltzer“ bezeichnet, ist nicht nur ein Klassiker in der Alpenwelt, sondern auch ein Allheilmittel gegen Kater.
Allerdings zeigt sich, dass Schellhorn nicht immer mit seinen experimentellen Rezepten überzeugt. So etwa bei dem Veggie-Bolo auf Basis von Blumenkohl und Shiitakepilzen. Obwohl das Rezept gelingt und schmeckt, hat es nicht den Stellenwert, den andere Gerichte im Buch haben. In solchen Fällen bleibt die Authentizität seines Stils erhalten, doch die kulinarische Wirkung enttäuscht leicht.
Ein Lichtblick in der Kochbuchwelt
Die Rezepte in „Sepp, was machst du?“ sind durchaus nachkochenswert. Sie vereinen Einfachheit, Zugänglichkeit und Geschmack. Besonders erfreulich ist, dass das Buch nicht nur für Einsteiger geeignet ist, sondern auch für erfahrene Köche inspirierende Ideen bietet. Die Bilder, die von Ingo Pertramer gestaltet wurden, sind authentisch und ehrlich und tragen dazu bei, die Gerichte lebendig und appetitlich darzustellen.
Ein weiterer Aspekt, der das Buch von anderen Kochbüchern abhebt, ist die Persönlichkeit des Autors. Sepp Schellhorn schreibt nicht nur über Rezepte, sondern auch über seine Erfahrungen, seine Philosophie und seine Meinung. Diese Mischung aus Kochanleitung und Lebensbericht macht das Buch besonders interessant.
Kritik und Einschränkungen
Trotz der vielen positiven Aspekte gibt es auch Kritikpunkte. Einige Rezepturen erweisen sich in der Praxis als unvollständig oder unklar. So etwa bei der „Falschen Ente“, die, wie bereits erwähnt, nicht so gut funktioniert, wie es im Buch beschrieben wird. Auch der fluffige Karottenauflauf misslingt, wenn die Anweisungen nicht genau befolgt werden. Hier wäre eine präzisere Anleitung wünschenswert.
Zudem gibt es manchmal ungenaue Mengenangaben, wie bei einer „Scheibe Tofu“ oder „einem Blumenkohl“. Solche Formulierungen können zu unterschiedlichen Ergebnissen führen, je nachdem, wie sie interpretiert werden. In einem Kochbuch, das sich an Einsteiger und Hobbyköche richtet, wäre es wünschenswert, detailliertere Mengenangaben zu finden.
Schlussfolgerung
„Sepp, was machst du?“ ist ein Buch, das sich klar von anderen Kochbüchern abhebt. Es vereint Einfachheit, Zugänglichkeit und eine Portion Humor. Sepp Schellhorn gelingt es, die kulinarische Welt mit einer persönlichen Note zu bereichern und dabei sowohl traditionelle als auch moderne Gerichte zu präsentieren. Obwohl es Kritikpunkte gibt, insbesondere bei einigen Rezepturen, bleibt das Buch ein wertvolles und inspirierendes Werk für alle, die Freude am Kochen haben. Es ist ein Lichtblick in der heutigen Kochbuchwelt und zeigt, dass Kochen nicht nur Sinn macht, sondern auch Spaß bringt.