Rhabarbersuppe hat in der kulinarischen Tradition des ehemaligen Ostdeutschlands eine besondere Stellung. Sie war nicht nur ein beliebtes Gericht an kalten Wintertagen, sondern auch ein Ausdruck der kreativen Umgangsform mit regionalen und einfachen Zutaten. In der DDR war die Rhabarbersuppe oft ein Teil der sogenannten Brot- oder Getreidesuppen, bei denen Rhabarber als Aromatische Grundlage dienete, ergänzt durch Eier, Zucker, Vanillezucker oder alkoholische Komponenten. Ein Rezept aus dem Jahr 1986, das in einem Verlag der DDR veröffentlicht wurde, spiegelt diese Epoche besonders deutlich wider.
Dieser Artikel bietet einen detaillierten Einblick in die Zubereitung der Rhabarbersuppe im Stil der DDR, basierend auf Rezepten und Beschreibungen aus verschiedenen Quellen. Zudem werden alternative Vorgehensweisen, Anpassungen und Zubehör wie Klöße oder Grießnockerl behandelt, die in anderen Rezepten vorkommen.
Rezept für Rhabarbersuppe aus der DDR
Ein Rezept aus dem Jahr 1986, veröffentlicht im Buch „Speisen mit Brot“ des VEB Fachbuchverlags Leipzig, ist ein authentisches Beispiel für die Zubereitungsweise der Rhabarbersuppe in der DDR. Es wurde in der Quelle [1] beschrieben und ist für vier Portionen gedacht.
Zutaten
- 200 g trockenes Weißbrot
- 700 ml Wasser
- 500 g Rhabarber
- 1/4 Teelöffel geriebene Nelken und Zimt
- 1/2 Glas Zucker
- 2 Eier
- 1 Glas Sauermilch oder saure Sahne
- 1/2 Teelöffel Vanillinzucker
Zubereitung
Vorbereitung der Zutaten:
Den Rhabarber abzupfen und die Stängel in kleine Würfel schneiden. Das trockene Weißbrot ebenfalls in kleine Stücke zerteilen.Kochen der Suppe:
Rhabarber und Weißbrot in kochendes Wasser geben. Nelken und Zimt hinzufügen, um Aromen freizusetzen. Alles solange köcheln lassen, bis der Rhabarber weich ist.Zuckersirup:
Sobald die Mischung weich ist, wird Zucker hinzugegeben und die Suppe nochmals kurz aufgekocht. Danach vom Herd nehmen, um zu verhindern, dass die Eier später nicht mehr binden.Ei-Mischung:
Eigelbe mit Sauermilch oder saurer Sahne verquirlen. Unter ständigem Rühren wird diese Mischung langsam in die Suppe eingearbeitet.Eiklarschnee:
Eiklar mit Vanillinzucker zu einem steifen Schnee schlagen. Anschließend werden kleine Klößchen aus dem Schnee geformt (z. B. mit zwei Teelöffeln) und in die heiße Suppe gegeben.Servieren:
Die Suppe wird traditionell mit Früchten wie Erdbeeren oder Kirschen serviert, die als Garnierung in den Teller gelegt werden.
Alternative Rezepte und Zubereitungsvarianten
Neben dem klassischen DDR-Rezept gibt es weitere Varianten, die in den Quellen [2] und [3] beschrieben werden. Diese zeigen, wie vielfältig sich die Rhabarbersuppe in der DDR gestalten ließ.
Rhabarbersuppe mit Grießnockerln
In der Quelle [2] wird eine Variante beschrieben, bei der Grießnockerln mit in die Suppe eingearbeitet werden. Dies ist ein typisches Beispiel für die kreative Verwendung von einfachen Nahrungsmitteln, die in der DDR oft knapp waren.
Zutaten (ergänzt):
- 250 g Himbeeren (tiefgekühlt)
- 100 g Zucker
- 1 Vanillezucker
- 100 ml Kirschsaft
- 1 El Speisestärke
- 250 ml Milch
- 50 g Butter
- 1 Prise Salz
- 50 g Hartweizengrieß
- 2 Bio-Eier
- Minze (zum Garnieren)
Zubereitung
Rhabarber putzen und in Stücke schneiden. Die Hälfte mit Himbeeren, Zucker, Vanillezucker und Kirschsaft zum Kochen bringen und etwa 15 Minuten leise köcheln lassen. Anschließend wird alles durch ein Sieb gestrichen und nochmals kurz aufgekocht.
Speisestärke mit etwas kaltem Wasser glatt rühren und der Suppe hinzufügen, um sie zu binden.
Die zweite Hälfte des Rhabarbers sowie 150 g Himbeeren werden zugegeben und weitere 5–8 Minuten leise gekocht.
Für die Grießnockerln Milch mit Butter, Salz und Zucker aufkochen. Hartweizengrieß einstreuen und solange rühren, bis sich der Teig vom Topfboden löst. Danach die Eier nacheinander unterrühren.
Aus der Masse werden mit zwei nassen Esslöffeln Klöße geformt und in leicht siedendem Salzwasser 5 Minuten ziehen lassen. Diese werden schließlich in die Suppe gegeben und mit Minzeblättchen garniert.
Traditionelle Zubereitungsweisen in der DDR
In der DDR wurde Rhabarber oft als Brot- oder Getreidesuppe zubereitet. Das Verhältnis von Rhabarber, Brot oder Getreide und Eiern war dabei entscheidend für die Textur und den Geschmack. In Quelle [3] wird eine weitere Variante beschrieben:
- 1/2 Liter klein geschnittener Rhabarber wird mit gerösteten Semmelschnitten und der Schale einer halben Zitrone in 1 1/2 Liter Wasser gekocht.
- Nach einer Stunde wird die Suppe durch ein Sieb gestrichen, mit Zucker versüßt und ein Glas Wein hinzugefügt.
- Zwei Eidotter werden in die Suppe gegeben, und sie wird schließlich über Zwieback oder gerösteten Semmelwürfeln angerichtet.
Diese Zubereitungsweise unterstreicht den besonderen Stellenwert von Brot als Grundbestandteil der Suppen in der DDR. Die Kombination aus Rhabarber, Brot und Eiern ergibt eine cremige, süße Suppe, die sich besonders in der kalten Jahreszeit gut eignete.
Wichtige Zubereitungshinweise und Tipps
Qualität der Zutaten:
Der Rhabarber sollte frisch und ohne Schäden sein. Beim Kauf darauf achten, dass die Stängel fest und die Blätter lebhaft grün sind.Rhabarber nicht roh füttern:
Die Blätter und Stängel enthalten Oxalsäure, die in hohen Mengen gesundheitsschädlich sein können. Deshalb immer nur die Stängel verwenden und diese gründlich kochen.Aromatische Gewürze:
Nelken und Zimt sind typische Aromen in DDR-Rezepten. Sie sollten sparsam eingesetzt werden, um den Geschmack nicht zu überladen.Eier richtig binden:
Eigelbe sollten nicht zu heiß in die Suppe gegeben werden, da sie sonst gerinnen könnten. Deshalb wird empfohlen, sie langsam in die Suppe einzurühren.Klöße oder Grießnockerln:
Wer die Suppe cremiger oder fester mag, kann Klöße oder Grießnockerln hinzufügen. Diese sollten vor dem Einbacken kurz in siedendem Wasser erwärmt werden, um die Konsistenz zu verbessern.
Die Rolle der Rhabarbersuppe in der DDR-Küche
Rhabarbersuppe war in der DDR mehr als nur ein Gericht – sie war ein Symbol für die kreative Verwendung von regional verfügbaren Zutaten. In Zeiten knapper Vorräte und begrenzter Auswahl an süßen Lebensmitteln war die Kombination aus Rhabarber, Brot, Zucker und Eiern eine willkommene Alternative zu herkömmlichen Süßspeisen. Zudem war die Suppe eine wärmende Mahlzeit, die sich besonders im Winter gut eignete.
In der DDR war die Zubereitung von Suppen auch eine Art Kulturgut. Die Bücher, in denen solche Rezepte erschienen, wurden oft als Familienbibeln gehandelt, und die Rezepte wurden von Generation zu Generation weitergegeben. Der Stil der Rezepte war klar, einfach und oft mit praktischen Tipps versehen, die den Alltag der Köche erleichterten.
Schlussfolgerung
Rhabarbersuppe aus der DDR ist ein authentisches Beispiel für die kulinarischen Traditionen der ehemaligen DDR. Sie vereint Einfachheit, Kreativität und den geschmacklichen Reichtum, der sich aus einfachen Zutaten ergeben kann. Die Rezepte, die in verschiedenen Quellen beschrieben werden, zeigen, wie vielseitig sich die Suppe zubereiten ließ, sei es als herkömmliche Eiersuppe oder mit Grießnockerln und Früchten.
Die Zubereitungsweise ist einfach, aber erfordert Aufmerksamkeit bei der Verarbeitung der Eier, die als Bindemittel dienen. Zudem ist die Kombination aus Rhabarber, Brot und Eiern ein gutes Beispiel für die Weise, wie in der DDR mit begrenztem Angebot kreative Gerichte zubereitet wurden.
Wer die Traditionen der DDR-Küche kennenlernen oder ein authentisches Gericht aus dieser Zeit zubereiten möchte, findet in der Rhabarbersuppe eine willkommene Möglichkeit. Sie ist nicht nur historisch interessant, sondern auch geschmacklich reizvoll und für heutige Gaumen durchaus passend.