Rumfordsuppe: Geschichte, Rezepturen und Zubereitung einer nahrhaften, traditionellen Suppe

Die Rumfordsuppe ist ein klassisches Rezept, das sich über mehrere Jahrhunderte bewahrt hat. Sie stammt aus der Zeit des späten 18. Jahrhunderts und ist nach ihrem Erfinder, Sir Benjamin Thompson, Reichsgraf von Rumford (1753–1814), benannt. Rumford war nicht nur Politiker und Offizier, sondern auch Erfinder, der sich um effiziente Kücheneinrichtungen, Lampen und Öfen verdient machte. Sein Interesse an sozialen Reformen führte ihn dazu, eine nahrhafte, aber preiswerte Mahlzeit für die Armen und das Militär zu entwickeln. Die Rumfordsuppe wurde damals nicht nur als militärische Feldration verwendet, sondern auch in Armenküchen ausgeteilt.

In den folgenden Abschnitten werden die historische Entwicklung, die Rezepturen und die Zubereitung der Rumfordsuppe aus verschiedenen Quellen detailliert beschrieben. Zudem wird auf die Relevanz dieser Suppe im heutigen Kontext und ihre Anpassung an moderne Ernährungsbedürfnisse eingegangen.

Historische Entwicklung der Rumfordsuppe

Die Rumfordsuppe entstand im Jahr 1795, als Benjamin Thompson, auch bekannt als Graf Rumford, ein Rezept für eine nahrhafte, sättigende und kostengünstige Mahlzeit entwickelte. Die Suppe war ursprünglich vor allem aus Getreide (Graupen) und getrockneten Erbsen zusammengestellt. Diese Kombination bot eine hervorragende Kombination aus Proteinen und Kohlenhydraten und war besonders für Zeiten der Not geeignet.

In der Anfangsphase war die Rumfordsuppe in ihrer einfachsten Form nur aus Gerste und getrockneten Erbsen bestehend. Später kamen weitere Zutaten hinzu, insbesondere Kartoffeln. In Bayern und anderen Teilen Deutschlands war die Kartoffel damals noch nicht alltäglich, sondern eher als Futterpflanze bekannt. Rumford führte die Kartoffel heimlich in die Suppe ein, bis sich die Bevölkerung an sie gewöhnt hatte. Erst danach wurde die Kartoffel offiziell Teil des Rezeptes. Diese Methode half, die Akzeptanz der Suppe zu steigern, und zudem war die Suppe dadurch günstiger als vorher.

Im 19. Jahrhundert verbreitete sich die Rumfordsuppe weiter, vor allem in Armenküchen, Suppenstuden und später auch in der militärischen Verpflegung. Die Suppe wurde oft als „Armenessen“ bezeichnet, da sie aus einfachsten, aber nahrhaften Zutaten bestand. In dieser Zeit entstanden auch mehrere Varianten des Rezeptes, die sich regional unterschieden. In einigen Fällen wurde der Speck als Würze hinzugefügt, in anderen kam Sauerkraut oder Wacholderschinken dazu.

Rezepturen der Rumfordsuppe

1. Grundrezept um 1900 (Henriette Davidis)

Zutaten (für 4 Personen):

  • Trockenerbsen
  • Linsen
  • Graupen
  • Trockenbohnen
  • 1 Möhre
  • 1 Zwiebel
  • Sellerie
  • Porree
  • Kartoffeln
  • Speck
  • Salz und Pfeffer

Zubereitung:

  1. Erbsen, Linsen, Graupen und Bohnen werden am Abend gut gewaschen und in einem Gefäß eingeweicht.
  2. Am nächsten Morgen im Einweichwasser zum Feuer gestellt.
  3. Eine Mohrrübe, ein Stück Sellerie und Porree fein geschnitten hinzugefügt.
  4. Die Suppe wird mit Salz und Pfeffer gewürzt und kocht, bis alle Zutaten weich sind.
  5. Eine Stunde vor der Mahlzeit werden die Kartoffeln in kleine Würfel geschnitten und in die kochende Suppe gegeben, um weich zu kochen.

2. Rezept von Slow Food Deutschland

Zutaten (für 4 Personen):

  • 150 g grüne Trockenerbsen
  • Salz
  • 1 rote Zwiebel
  • 2 Knoblauchzehen
  • 250 g festkochende Kartoffeln
  • 1 EL Butterschmalz
  • 1 l Fleischbrühe
  • 50 g Graupen
  • 1 dünne Stange Lauch (nur das Weiße)
  • 1 Karotte
  • 1 Petersilienwurzel
  • frisch gemahlener Pfeffer
  • 100 g Wacholderschinken
  • 1 EL fein geschnittene Schnittlauchröllchen

Zubereitung:

  1. Die Trockenerbsen in 1 Liter Wasser über Nacht einweichen.
  2. Am nächsten Tag im Einweichwasser knapp bissfest garen und erst gegen Ende der Garzeit vorsichtig salzen.
  3. Danach abgießen und gut abtropfen lassen.
  4. Die Zwiebel und den Knoblauch schälen und in feine Würfel schneiden.
  5. Die Kartoffeln waschen, schälen und in kleine Würfel schneiden.
  6. Zwiebel und Knoblauch in 1 Teelöffel Butterschmalz glasig andünsten und mit der Fleischbrühe aufgießen.
  7. Zum Kochen bringen.
  8. Erbsen, Graupen und Kartoffelwürfel zufügen und im halbgeschlossenen Topf etwa 20 Minuten garen.
  9. In der Zwischenzeit den Lauch putzen, waschen und in dünne Ringe schneiden.
  10. Die Karotte und die Petersilienwurzel schälen und in kleine Würfel schneiden.
  11. Im restlichen Butterschmalz etwa 5 Minuten unter Rühren anschwitzen.
  12. Danach alles in die Suppe geben und abschmecken.

3. Rezept von "Leckerschmecker"

Zutaten (für 4 Personen):

  • 125 g getrocknete gelbe Erbse
  • 2 Karotten
  • 1/4 Sellerieknolle
  • 1 Zwiebel
  • 4 EL Graupen
  • 50 g Speckwürfel
  • 375 ml Fleischbrühe
  • 2 Kartoffeln
  • Salz
  • Pfeffer

Zubereitung:

  1. Die Erbsen über Nacht in 2 Liter Wasser einweichen.
  2. Karotten, Sellerie und Zwiebel klein schneiden und zu den Erbsen geben.
  3. Das Gemüse weichkochen und passieren.
  4. Die Speckwürfel in einem Topf auslassen.
  5. Die gewaschenen Graupen hinzufügen.
  6. Mit Fleischbrühe aufgießen und leicht köcheln lassen.
  7. Kartoffeln schälen und würfeln, dann zu den Graupen geben und weichkochen.
  8. Die Erbsensuppe dazu gießen, verrühren und mit Salz und Pfeffer abschmecken.

4. Rezept von "Ichkoche"

Zutaten (für 4 Personen):

  • Speckwürfel
  • Schweinebauch
  • Zwiebel
  • Fleisch- und Speckwürfel
  • Butterschmalz
  • Hühnersuppe
  • Perlgraupen
  • Karotte
  • Erdäpfel
  • Sauerkraut

Zubereitung:

  1. Den Speck und den Schweinebauch in Würfel schneiden.
  2. Die Zwiebel schälen und klein schneiden und mit Fleisch- und Speckwürfeln in einem Kochtopf mit Butterschmalz anbraten.
  3. Das Ganze mit etwas Hühnersuppe aufgießen und zum Siedepunkt bringen.
  4. Die Perlgraupen einrühren und bei geschlossenem Deckel auf kleiner Flamme mitkochen, bis alles fast weich ist.
  5. Währenddessen die Karotte und die Erdäpfel schälen und in kleine Stücke schneiden.
  6. Das Sauerkraut abrinnen lassen, kurz abspülen und klein hacken.
  7. Gemüsestücke und Sauerkraut mit in die Suppe geben.
  8. Etwas mehr klare Suppe dazuschütten und solange köcheln lassen, bis die Erdäpfelwürfel weich gekocht sind.
  9. Die Rumfordsuppe mit etwas Senf und Salz abschmecken und servieren.
  10. Tipp: Mit ein paar Scheiben getoastetem Knoblauchschwarzbrot schmeckt die Rumfordsuppe gleich noch einmal so gut.

Variabilität und Anpassung der Rezepturen

Die Rezepturen der Rumfordsuppe zeigen eine erhebliche Variabilität, was auf die regionale und kulturelle Entwicklung des Rezeptes zurückzuführen ist. Während einige Rezepte traditionell auf Graupen, Erbsen und Kartoffeln basieren, fanden in anderen Regionen zusätzliche Zutaten wie Wacholderschinken, Sauerkraut oder Karotten ihren Weg in die Suppe. Diese Anpassungen spiegeln die lokalen Ressourcen und Vorlieben wider und zeigen, wie flexibel das Rezept in der Anwendung ist.

Ein weiterer Aspekt ist die Verwendung von Brühen. Während einige Rezepte auf Fleischbrühe zurückgreifen, andere jedoch Hühnersuppe oder klare Suppe verwenden, ist es möglich, die Brühe individuell an die Vorlieben der Verbraucher anzupassen. Auch das Würzen der Suppe variiert; bei einigen Rezepten wird Salz und Pfeffer hinzugefügt, bei anderen auch Majoran oder Petersilie.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Rumfordsuppe ein sehr anpassungsfähiges Rezept ist, das sich an verschiedene Geschmacksrichtungen und regionale Bedingungen anpassen lässt, ohne seine ursprüngliche Essenz zu verlieren.

Ernährungswissenschaftliche Aspekte der Rumfordsuppe

Die Rumfordsuppe ist in erster Linie eine nahrhafte Mahlzeit, die sich besonders durch ihre Kombination aus pflanzlichen Proteinen, Kohlenhydraten und Ballaststoffen auszeichnet. Die getrockneten Erbsen und Graupen liefern Proteine und komplexe Kohlenhydrate, während die Kartoffeln zusätzliche Energie liefern. Zudem enthalten die verwendeten Gemüsesorten wie Karotten, Sellerie und Zwiebel wichtige Vitamine und Mineralstoffe.

Ein weiterer Vorteil der Rumfordsuppe ist ihre Kosteneffizienz. Da die Zutaten meist günstig und leicht verfügbar sind, eignet sich die Suppe besonders für Haushalte mit begrenztem Budget. Zudem ist die Suppe sehr sättigend, was sie zu einer idealen Mahlzeit für Familien oder Suppenküchen macht.

Ein möglicher Nachteil der Rumfordsuppe ist ihre hohen Salzgehalt. In einigen Rezepturen wird Salz bereits während des Einweichens der Erbsen hinzugefügt, was den Salzgehalt erhöht. Für Personen mit Bluthochdruck oder anderen Ernährungsrestriktionen ist es daher wichtig, den Salzgehalt der Suppe bewusst zu regulieren.

Rumfordsuppe in der heutigen Zeit

Obwohl die Rumfordsuppe historisch als Armenessen bekannt ist, hat sie in der heutigen Zeit eine neue Bedeutung erlangt. Sie wird oft als Beispiel für nachhaltige, kostengünstige und nahrhafte Ernährung genutzt. In Suppenküchen, Wohlfahrtsverbänden und auch in der privaten Küche ist die Suppe weiterhin beliebt.

Zudem wird die Rumfordsuppe in der Gastronomie und bei kulinarischen Festen gelegentlich als Hommage an die traditionelle Kochkunst serviert. So wurde sie beispielsweise in München anlässlich des 200-jährigen Jubiläums des Englischen Gartens und des 200. Todestages von Graf Rumford öffentlich serviert.

In der heutigen Zeit wird die Rumfordsuppe oft mit modernen Zutaten kombiniert oder in veganen Varianten angeboten. Dies zeigt, wie anpassungsfähig das Rezept ist und wie es sich an moderne Ernährungstrends anpassen lässt, ohne seine ursprüngliche Essenz zu verlieren.

Schlussfolgerung

Die Rumfordsuppe ist ein Rezept mit langer Geschichte, das sich über mehrere Jahrhunderte bewahrt hat. Sie wurde von Benjamin Thompson, Reichsgraf von Rumford, 1795 ursprünglich als nahrhafte, kostengünstige Mahlzeit für die Armen und das Militär entwickelt. Die Suppe war ursprünglich nur aus Gerste und getrockneten Erbsen bestehend, später kamen Kartoffeln und weitere Zutaten wie Wacholderschinken, Sauerkraut oder Karotten hinzu. Die Rezepturen variieren je nach Region und kulturellen Einflüssen, was die Flexibilität des Rezeptes unterstreicht.

Heute ist die Rumfordsuppe weiterhin eine beliebte Mahlzeit, die sowohl in Suppenküchen als auch in der privaten Küche genossen wird. Sie ist preiswert, nahrhaft und kann individuell an die Vorlieben der Verbraucher angepasst werden. Zudem ist sie ein Beispiel für traditionelle, nachhaltige Ernährung, die in der heutigen Zeit neue Aufmerksamkeit gewinnt.

Die Rumfordsuppe ist nicht nur ein kulinarisches Erbe, sondern auch ein Symbol für Solidarität, soziale Verantwortung und die Fähigkeit, aus einfachen Zutaten eine nahrhafte Mahlzeit zu schaffen.

Quellen

  1. Genuss-Region Bayern
  2. Bayern 1 – Rumfordsuppe
  3. Der Kleine Garten – Rumfordsuppe
  4. Leckerschmecker – Rumfordsuppe
  5. Ichkoche – Rumfordsuppe

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