Vegane kulinarische Wiederentdeckung: Die Küche der 70er Jahre im modernen Gewand

Die 1970er Jahre markierten in der deutschen Kulinarik eine Phase der Entdeckung und des experimentierfreudigen Austauschs. Internationale Einflüsse hielten Einzug in die heimische Küche, und auch wenn Fleisch und Milchprodukte damals allgegenwärtig waren, lassen sich viele Rezepte aus dieser Ära hervorragend an die heutigen veganen Ernährungsweisen anpassen. Der Trend zur bewussten, pflanzlichen Ernährung trifft auf eine Welle der Nostalgie. Dieser Artikel beleuchtet, wie man die klassischen Gerichte der 70er Jahre vegan interpretieren kann, basierend auf den überlieferten Rezepten und modernen veganen Kochprinzipien.

Die folgenden Ausführungen analysieren die typischen Gerichte dieser Dekade und zeigen auf, wie die damaligen Geschmacksprofile durch den Verzicht auf tierische Produkte nicht verloren gehen, sondern durch innovative pflanzliche Alternativen neu interpretiert werden können.

Die kulinarische DNA der 70er Jahre

Um die Umstellung auf vegane Varianten zu verstehen, muss man zunächst die typischen Merkmale der Rezepte aus den 70ern erfassen. Die vorliegenden Daten zeigen eine bemerkenswerte Vielfalt, die von deftigen deutschen Klassikern bis hin zu exotischen Einfällen reicht.

Ein auffälliges Merkmal ist die Beliebtheit von Aufläufen und Eintöpfen. Beispiele wie der „Semmelknödelauflauf mit Sauerkraut und Hackfleisch“ oder das „Hamburger Biergulasch“ (das laut Quelle 1 eine Bewertung von 4,6 von 5 Sternen bei 70 Bewertungen erhielt) stehen für sättigende, oft mit Sahne oder Käse abgerundete Gerichte. Auch Beilagen spielten eine große Rolle. Das „Blumenkohl italienisch“ oder der „Rindfleischsalat mit Meerrettich und Dill“ zeugen von einer Vorliebe für Gemüse, das oft in Sahnesoßen gedünstet oder mit Mayo und Meerrettich verfeinert wurde.

Neben den deftigen Gerichten gab es eine starke Tendenz zur Partyküche und zum „Fingerfood“. Rezepte wie „Bunte kleine Käseigel“, „Marienkäfer auf Basilikum-Creme“ oder „Schinkenröllchen“ waren fester Bestandteil von Buffets. Hier liegt ein besonderes Potenzial für vegane Umsetzungen, da oft Käse und Wurst durch pflanzliche Aufschnitt- und Käsealternativen ersetzt werden können, während die optische Gestaltung und die Gewürzkombinationen erhalten bleiben.

Exotische Einflüsse und Getränkekultur

Die 70er Jahre waren auch das Jahrzehnt der kulinarischen Entdeckungsreisen. Rezepte wie „Paella Valenciana“, „Bihunsuppe Indonesia“ oder „Kantonesischer Schweinebraten“ hielten Einzug in die deutschen Küchenbücher. Diese Gerichte basieren oft auf Gewürzmischungen, Sojasoße, Ingwer und Reis – Zutaten, die von Natur aus oft vegan sind oder sich leicht vegan zubereiten lassen. Die „Bihunsuppe Indonesia“ wird in den Quellen als „Kultsuppe aus den 70ern“ bezeichnet und erhielt 4,3 Sterne. Ihre Würzigkeit und die Kombination von Nudeln und Gemüse passen perfekt in das moderne vegane Repertoire.

Auch die Getränkekultur war damals ausgeprägt. Der „Pfirsichkern-Likör“ (Kultgetränk „Persico“) und der „Sonnenschein“ (Kultdrink) sind Beispiele für süße, fruchtige Genussmittel. Besonders der Likör erfordert eine genaue Betrachtung der Zutaten, da hier oft Ei und Sahne zum Einsatz kamen, die durch pflanzliche Alternativen ersetzt werden müssen.

Vegane Interpretationen bekannter Klassiker

Die Übertragung der 70er-Jahre-Rezepte auf eine vegane Lebensweise verlangt nach kreativen, aber pragmatischen Lösungen. Ziel ist es, den „Comfort Food“-Charakter der Gerichte zu bewahren.

Fleisch und Wurst ersetzen

Gerichte wie der „Mikes Hackbraten US Art“ oder das „Hamburger Biergulasch“ stehen für herzhaften, kräftigen Geschmack. In den 70ern basierte dies oft auf der Qualität des Fleisches und der Reduktion von Brühe und Bier. Für die vegane Variante bietet sich die Verwendung von hochwertigem Sojagranulat oder feiner Gemüsebrühe an. Das „Hamburger Biergulasch“ kann seine Würzigkeit durch Bier (welches in der Regel vegan ist, es sei denn, es wurde mit tierischem Hausier verarbeitet – was heute selten ist) und Paprika behalten. Um die fehlende „Sättigung“ zu kompensieren, können kernige Beilagen wie Kartoffeln oder Vollkornnudeln in den Vordergrund gestellt werden.

Bei Aufschnittvarianten wie den „Schinkenröllchen“ oder dem „Wurstsalat aus den 70ern“ (der laut Quelle 1 mit 5 Sternen bewertet wurde) sind pflanzliche Aufschnittsortimente oder selbstgemachte Seitan-Aufschnitte die Basis. Der typische Geschmack von Wurstsalat wird durch Essig, Öl, Zwiebeln und Gurken definiert – diese Zutaten sind per Definition vegan. Der Austausch der Wurst durch geräucherten Tofu oder vegane Fleischwurst ist hier eine unkomplizierte Lösung.

Milchprodukte und Ei in der Küche der 70er

Sahne, Käse und Eier waren in den 70er Jahren allgegenwärtig. Ob in der „Cumberlandsoße“, dem „Rindfleischsalat mit Dill“ oder in Aufläufen – die Bindung und der creamy Geschmack kamen fast immer aus tierischen Quellen. Hier muss man differenzieren: 1. Saucen: Für cremige Soßen eignen sich pflanzliche Kochcremes (z. B. auf Hafer- oder Sojabasis) hervorragend. Sie bieten die nötige Viskosität und ein neutrales Aroma, das Gewürze wie Meerrettich oder Dill gut aufnimmt. 2. Käse: Rezepte wie „Bunte kleine Käseigel“ oder der „Schweizer Cannelloni“ erfordern Käsegeschmack. Hier helfen gereifte Nuss- oder Tofukäse, aber auch Hefeflocken für den käsigen Umami-Geschmack. 3. Eier: Eier dienten oft als Bindemittel (z. B. in Bratlingen) oder als Dekoration (gekochte Eier in Salaten). Als Bindemittel eignen sich Leinsamenmehl oder Applesauce, in Salaten kann durch pflanzliche Mayonnaise oder Avocado die cremige Komponente erreicht werden.

Ein besonderes Beispiel ist die „Haustorte“ (Schoko-Nuss-Kuchen). Oma-Rezepte aus den 70ern basieren oft auf viel Butter und Ei. Für eine vegane Version reicht oft eine Kombination aus pflanzlichem Öl, Hafermilch und einem Treibmittel wie Backpulver oder Natron, um den lockeren Teig zu erreichen. Nüsse sorgen für das Fett und den Geschmack.

Rezeptbeispiel: Veganer „Hamburger Biergulasch“ im 70er-Jahre-Stil

Das „Hamburger Biergulasch“ ist eines der am besten bewerteten Rezepte aus der Ära (4,6 Sterne). Es vereint die typische Vorliebe für Bier als Kochzutat mit deftigem Geschmack.

Zutaten (für 4 Personen): * 500 g vegane Küchenhilfe (z. B. Sojagranulat oder pflanzliche Gulaschstücke), eingeweicht * 2 große Zwiebeln, gewürfelt * 2 EL Tomatenmark * 500 ml dunkles Bier (vegan) * 250 ml Gemüsebrühe * 2 EL Mehl (Type 405 oder Dinkelmehl) * 2 EL Rapsöl * Salz, Pfeffer, Paprikapulver (edelsüß) * Optional: 1 EL Zuckerrübensirup für die Würze

Zubereitung: 1. Das Öl in einem großen Topf erhitzen und die Zwiebeln glasig dünsten. 2. Das Tomatenmark zugeben und kurz mitrösten. 3. Das eingeweichte und ausgedrückte Sojagranulat hinzufügen und ebenfalls kurz anrösten, damit es Geschmack annimmt. 4. Mit Mehl bestäuben und kurz mitrösten. 5. Das Bier angießen und die Gemüsebrühe hinzufügen. Aufkochen lassen. 6. Bei niedriger Hitze ca. 20–30 Minuten köcheln lassen, bis die Flüssigkeit reduziert ist und die Soße andickt. 7. Mit Salz, Pfeffer und Paprikapulver abschmecken. Für die typische 70er-Jahre-Rundheit kann ein Hauch Sirup zugefügt werden.

Dieses Gericht zeigt, wie einfach eine vegane Umsetzung sein kann, wenn die Gewürzgrundlage stimmt.

Moderne Zutaten für den retro Charme

Die Quellen erwähnen auch Rezepte, die heute als „Superfoods“ gelten, damals aber bereits bekannt waren. Die „Paella Valenciana“ nutzt Reis und Gemüse, die Basis einer veganen Paella. Die „Bihunsuppe Indonesia“ basiert auf Glasnudeln und Gemüse – hier muss nur auf die Fischsoße verzichtet werden, die durch eine Mischung aus Sojasoße, Limettensaft und Ahornsirup ersetzt wird.

Ein interessanter Punkt ist auch die Erwähnung von „Vegan“ in den Filteroptionen der Rezepteseiten. Die Daten zeigen, dass es Filter für „Vegetarisch“ und „Vegan“ gibt, was bedeutet, dass die Rezepte aus den 70ern heute oft explizit als vegan gekennzeichnet oder gefiltert werden können. Dies unterstreicht die Aktualität des Themas.

Sicherheitshinweise bei alten Rezepten

Ein Punkt, der in den Quellen immer wieder auftaucht, ist die Warnung vor bestimmten Zutaten. Bei der Umsetzung alter Rezepte ist Vorsicht geboten, wenn exotische Zutaten im Spiel sind. In den Quellen wird explizit vor Pfirsichkernen gewarnt: „Achtung! Enthält Blausäure! Daher nur in kleinen Mengen genießen!“. Auch wenn es sich hier nicht um eine vegane Zutat handelt, ist es ein Hinweis darauf, dass bei der Rezepteinterpretation aus den 70ern Sicherheit vor Nostalgie geht. Bei der veganen Nachkochung sollte man sich auf bewährte, sichere Zutaten konzentrieren und experimentelle Rohkost-Varianten, für die die alten Rezepte vielleicht nicht explizit ausgelegt waren, vermeiden.

Fazit zur kulinarischen Transformation

Die Küche der 70er Jahre bietet eine faszinierende Basis für die moderne vegane Ernährung. Die damaligen Gerichte waren oft weniger verarbeitet als heutige Fertigprodukte und basierten auf grundlegenden Zutaten wie Gemüse, Kartoffeln, Reis und Gewürzen. Durch den gezielten Austausch von Fleisch, Milch und Ei durch pflanzliche Alternativen lassen sich die Geschmackswelten dieser Dekade problemlos neu erschaffen.

Besonders die hohen Bewertungen der Rezepte in den Quellen (z. B. 4,6 Sterne für das Biergulasch oder 5 Sterne für den Wurstsalat) belegen, dass diese Kombinationen zeitlos sind. Sie erfüllen das, was moderne vegane Küche ausmacht: herzhaft, sättigend und geschmackvoll. Wer also Nostalgie sucht, aber auf tierische Produkte verzichten möchte, findet in den Kochbüchern der 70er Jahre eine wertvolle Schatzkiste voller Ideen, die nur darauf warten, vegan interpretiert zu werden.

Schlussfolgerung

Die Auseinandersetzung mit veganen Rezepten der 70er Jahre ist mehr als nur ein kulinarischer Rückblick. Sie zeigt auf, wie flexibel traditionelle Gerichte sind und dass eine pflanzliche Ernährung nicht auf Verzicht basieren muss, sondern auf kreativer Neugestaltung. Die Analyse der verfügbaren Rezepte belegt, dass die Grundprinzipien der damaligen Küche – Einfachheit, Sättigung und internationale Einflüsse – ideal mit den Prinzipien der modernen Veganik harmonieren. Durch die Verwendung pflanzlicher Alternativen für Sahne, Käse und Fleisch können die klassischen Geschmacksprofile bewahrt werden. Es bleibt festzuhalten, dass die kulinarische Wiederentdeckung der 70er Jahre im veganen Gewand eine wertvolle Bereicherung für den heutigen Speiseplan darstellt.

Quellen

  1. Chefkoch.de - 70er Rezepte
  2. EAT SMARTER - Vegane Rezepte

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