Falafel sind ein kulinarisches Phänomen, das ursprünglich aus dem Nahen Osten und dem östlichen Mittelmeerraum stammt. Dort gelten sie als würziges Streetfood und fester Bestandteil der vegetarischen und veganen Küche. In den letzten Jahren haben die kleinen Gemüsebällchen auch in Deutschland, Mittel- und Nordeuropa einen wahren Siegeszug erlebt. Dieser Trend ist auf die stetige Zunahme von Vegetariern und Veganern zurückzuführen, sowie auf die Erkenntnis, dass Falafel nicht nur unglaublich lecker, sondern auch gesund sind. Sie sind der Inbegriff von gesunder, orientalischer Küche. Durch ihren hohen Proteingehalt halten sie zudem richtig lange satt und eignen sich perfekt als Beilage, Snack oder Hauptmahlzeit. Viele fragen sich, wie man diese Bällchen am besten zubereitet, insbesondere wenn es schnell gehen muss. Doch das Geheimnis perfekter Falafel liegt in der richtigen Konsistenz der Masse und der korrekten Vorarbeit der Hauptzutat: der Kichererbsen.
Die richtige Basis: Getrocknete Kichererbsen statt Dosenware
Der Schlüssel zu gelungenen Falafeln liegt in der Konsistenz der Masse. Ein häufiger Fehler, der beim ersten Versuch gemacht wird, ist die Verwendung von Kichererbsen aus der Dose oder dem Glas. Diese sind zwar praktisch für schnelle Gerichte wie ein Kichererbsen-Curry oder Bratlinge, für Falafel sind sie jedoch ungeeignet. Der Grund dafür ist einfach: Kichererbsen aus Dosen sind bereits gekocht und somit viel zu weich. Sie lassen sich nicht richtig formen und die Falafeln fallen beim Braten oft komplett auseinander. Um das zu verhindern, muss man zwingend zu getrockneten Kichererbsen greifen, die vor der Verarbeitung selbst eingeweicht werden. Nur so erhält man die nötige Stabilität für die Bällchen, die dann außen goldbraun und innen herrlich saftig werden.
Kichererbsen sind an sich wahre Wunderkugeln. Sie schmecken köstlich und enthalten viel pflanzliches Eiweiß sowie eine Menge Ballaststoffe, die dem Körper guttun. Als Haupt-Zutat beim Falafel-Selbermachen eignen sie sich durch ihre zarte Konsistenz hervorragend und zeigen angenehme Eigenschaften bei der Verarbeitung: Sie saugen Kräuter und Gewürze geradezu auf! Diese Fähigkeit ist essenziell für das Aroma der fertigen Bällchen.
Das Einweichen: Ein entscheidender Schritt für Sicherheit und Textur
Um die getrockneten Kichererbsen für die Verarbeitung vorzubereiten, müssen sie in Wasser eingelegt werden. Dieser Schritt ist nicht nur für die Aufweichung wichtig, sondern erfüllt auch sicherheitsrelevante Aufgaben. Wie auch andere Hülsenfrüchte enthalten Kichererbsen das unverdauliche Gift Phasin und den Bitterstoff Saponin. Diese Stoffe werden beim Einweichen ins Wasser gelöst. Deshalb ist die Einweichzeit von mindestens 12 Stunden so wichtig, und das gründliche Spülen der Hülsenfrüchte danach ist zwingend erforderlich. Durch das anschließende Erhitzen in der Pfanne wird das noch verbliebene Phasin unschädlich gemacht.
Die genaue Vorgehensweise ist simpel, erfordert aber Planung. Für das Einweichen gilt ein Verhältnis von 1 zu 3. Das bedeutet, auf 200 g getrocknete Kichererbsen kommen 600 ml Wasser. Die Kichererbsen werden in einem Sieb abgewaschen, in eine Schüssel gegeben und mit dem Wasser bedeckt. Sie müssen mindestens 12 Stunden, besser noch über Nacht, im Wasser quellen. Nach dieser Zeit haben sie ihr Volumen deutlich vergrössert. Nun werden sie in einem Sieb abgegossen, gründlich unter fließendem Wasser gewaschen und abgetropft. Nun sind sie bereit für die Weiterverarbeitung; ein weiteres Kochen ist nicht notwendig.
Die Zubereitung der Falafel-Masse
Für die Herstellung der Masse wird ein Multizerkleinerer oder ein Food-Processor benötigt. Die eingeweichten und abgetropften Kichererbsen werden nun zu einem Mus verarbeitet. Hierzu werden die Kichererbsen in den Zerkleinerer gegeben. Neben den Kichererbsen sind frische Kräuter und Gewürze essentiell. Folgende Zutaten werden typischerweise benötigt:
- 200 g getrocknete Kichererbsen (eingeweicht)
- 15 g frischer Koriander
- 15 g glatte Petersilie
- 1 rote Zwiebel
- 2 Knoblauchzehen
- 1 Selleriestange
- 1 rote Peperoni
- 20 g Mehl (beliebige Type)
- 1 TL gemahlener Kreuzkümmel
- 1 TL gemahlener Koriander
- 1 TL schwarzer Pfeffer
- 1,5 TL Salz
- 1 TL Backpulver
Die Zutaten werden im Multizerkleinerer püriert. Es ist darauf zu achten, dass die Masse nicht zu fein wird. Ein gewisser Grobanteil ist wünschenswert, um die typische Textur der Falafel zu erhalten. Das Pürieren erfolgt am besten in kurzen Intervallen, um die Röstaromen zu schonen und die Kontrolle über die Konsistenz zu behalten. Viele Köche schätzen es, direkt aus der Pfanne zu kosten, um zu prüfen, ob die fertige Falafel den richtigen Gargrad hat und innen saftig weich ist, während sie eine knusprige Hülle besitzt.
Ein wichtiger Hinweis zur Verarbeitung: Die Falafel-Masse muss nach dem Pürieren mindestens 30 Minuten ruhen. In dieser Zeit verbinden sich die Aromen besser, und das Mehl kann seine bindende Wirkung entfalten. Dieser Schritt verbessert die Stabilität der Bällchen beim Ausbacken erheblich.
Formen und Ausbacken: Variationen für jeden Geschmack
Nach der Ruhephase werden aus der Masse gleich große Bällchen geformt. Die Größe kann individuell angepasst werden, klassisch sind jedoch Bällchen in der Größe von Walnüssen. Nun stehen verschiedene Zubereitungsarten zur Auswahl, die alle ihre eigenen Vorteile haben.
Ausbacken in der Pfanne: Dies ist die klassische Methode für ein Maximum an Knusprigkeit. In einer tiefen Pfanne wird ein neutrales Pflanzenöl, wie Rapsöl oder Sonnenblumenöl, erhitzt. Die Falafel-Bällchen werden hineingegeben und von beiden Seiten goldbraun gebacken. Dies dauert pro Seite nur wenige Minuten. Das Ergebnis ist eine knusprige Außenseite und ein weiches, saftiges Inneres.
Backen im Ofen: Für eine besonders fettsparende Variante eignet sich der Backofen. Die Bällchen werden auf einem mit Backpapier belegten Blech platziert und bei 200 Grad Umluft für ca. 20-25 Minuten gebacken. Sie werden in der Mitte des Ofens platziert, bis sie eine goldene Farbe haben. Auch hier entsteht eine angenehme Röstaroma, allerdings mit deutlich weniger Fett.
Optigrill oder Airfryer: Moderne Küchengeräte wie der Optigrill oder ein Airfryer bieten ebenfalls hervorragende Möglichkeiten. Die Falafel-Bällchen können darin schnell und einfach zubereitet werden, was sie ideal für den schnellen Hausgebrauch macht.
Aufbewahrung und Meal Prep
Falafel eignen sich hervorragend zur Vorbereitung, auch als sogenanntes Meal Prep. Die fertig geformten Bällchen können für 3 bis 5 Tage im Kühlschrank gelagert werden. Noch praktischer ist das Einfrieren. Die Falafel lassen sich für mehrere Monate einfrieren und dann frisch zubereiten. Die tiefgefrorenen Bällchen müssen vor dem Zubereiten nicht aufgetaut werden; sie werden direkt in die heiße Pfanne oder den Ofen gegeben. Es ist lediglich mit einer etwas längern Garzeit zu rechnen. Diese Möglichkeit sorgt dafür, dass man im Handumdrehen ein leckeres und frisches Essen auf dem Tisch hat, sei es zur Arbeit, als Picknick oder für schnelle Abendessen.
Passende Saucen und Beilagen
Eine Falafel-Mahlzeit ist ohne die passende Sauce nur halb so schön. In den Quellen werden mehrere Saucenvarianten genannt, die sich hervorragend eignen:
- Tahini-Sauce (Sesamsauce): Eine klassische Begleitung, die cremig und nussig schmeckt.
- Sesamjoghurtsauce: Eine cremige Variante, oft mit Joghurt, Sesammus und Gewürzen zubereitet, die sich auch hervorragend für Gegrilltes eignet.
- Sauce für Falafel: Schnelle und einfache Saucen, die den Bällchen den letzten Kick geben.
- Orientalischer Frischkäse-Aufstrich und Dip: Eine herzhaft-süße Variante, die als Dip oder Aufstrich funktioniert.
Auch Beilagen sind vielfältig. Traditionell werden Falafel in Pitabrot oder Fladenbrot serviert, oft zusammen mit Salat und Gemüse. Eine Falafel-Bowl mit Tahin-Joghurt ist eine moderne, sättigende Variante. Ein Gelber Linsensalat mit Minze und Petersilie passt ebenfalls perfekt dazu. Auch ein schneller Tabouleh mit Couscous wird als idealer Begleiter genannt, der perfekt zu Falafel und Mezze-Platten passt. Hummus auf türkische Art rundet das orientalische Erlebnis ab.
Falafel für die ganze Familie
Besonders erwähnenswert ist, dass es auch Rezepte für Babys und Kleinkinder gibt. Diese sind oft angepasst, was Gewürzmenge und Konsistenz betrifft. So können schon die Kleinen an diese gesunde und leckere Speise herangeführt werden. Die proteinreichen Bällchen sind vegan, gluten- und laktosefrei, was sie auch für Menschen mit entsprechenden Unverträglichkeiten oder Ernährungsweisen geeignet macht.
Schlussfolgerung
Das Selbermachen von Falafel ist einfacher, als man denkt, solange man die wichtigsten Regeln befolgt. Der Schlüssel liegt in der Verwendung von selbst eingeweichten, getrockneten Kichererbsen und einem Multizerkleinerer für die Zubereitung der Masse. Nach einer kurzen Ruhephase lassen sich die Bällchen nach Wunsch in der Pfanne, im Ofen oder im Grillgerät zubereiten. Durch die Möglichkeit der Lagerung im Kühlschrank oder des Einfrierens sind sie zudem ein idealer Begleiter für den modernen, oft hektischen Alltag. Die Vielseitigkeit in Bezug auf Saucen und Beilagen macht sie zudem zu einem Gericht, das man sich immer wieder neu erfinden kann. Mit dem Wissen aus den vorgestellten Rezepten und Tipps steht einem gelungenen, hausgemachten Falafel-Erlebnis nichts mehr im Wege.