Cocktails sind mehr als nur alkoholische oder alkoholfreie Mischgetränke; sie stellen eine einzigartige Synthese aus Geschmack, Optik und Kultur dar. Während die Jahre davor, insbesondere 2018 und 2019, stark vom Aufstieg des Gins dominiert wurden, hat sich das Jahr 2020 als eine Zeit des Wandels erwiesen, in der sich die Präferenzen von Konsum und Präsentation grundlegend verschoben haben. Die Entwicklung bewegt sich weg von großen, bunten Getränken hin zu subtileren, geschmacksintensiven Mischungen, bei denen der Geschmack im Vordergrund steht, anstatt nur die visuelle Pracht oder der betäubende Effekt.
Der Trendbewegung liegt eine klare Philosophie zugrunde: Das Ziel ist es, dass Cocktails schmecken sollen, ohne den Konsumenten sofort zu betrinken. Dieser Fokus auf das Geschmackserlebnis führt zu einer Neujustierung der Rezepturen und der Auswahl der Basisliquore. Während klassische Drinks wie der Tequila Sunrise, der Mai Tai oder der spektakuläre Sex on the Beach weiterhin bekannt sind, verdrängen sie in 2020 durch komplexere Kreationen. Die Barkeeper-Szene hat sich von den „Swimming Pool"-artigen, überfruchtigen Getränken abgewandt und setzt stattdessen auf eine Art „Hidden Perfection", bei der die Balance zwischen den Aromen entscheidend ist. Dies zeigt sich deutlich in der wachsenden Beliebtheit von Tee- und Kaffee-basierten Cocktails sowie in der Rückkehr alter Klassiker, die zuvor in Vergessenheit gerieten.
Die Vielfalt der Angebote reicht von erfrischenden Sommerdrinks bis hin zu würzigen, robusten Kreationen. Die Trends lassen sich in klare Kategorien einteilen, die sowohl die Art des Spirituosen als auch den Alkoholgehalt betreffen. Ein zentraler Aspekt ist die Abkehr vom massenhaften Konsum von reinen Fruchtcocktails hin zu Getränken, die auf der Basis von Tee, Kaffee, Portwein oder Sherry basieren. Diese Entwicklung spiegelt auch einen gesellschaftlichen Wandel wider, in dem sich die Konsumgewohnheiten ändern: Menschen wollen sich gesund ernähren, treiben Sport und möchten Alkohol reduzieren, ohne ganz darauf zu verzichten. Dies hat die Spirituosenhersteller dazu bewegt, mehr Produkte mit geringem Alkoholanteil ins Sortiment aufzunehmen.
Die Rückkehr der Puristen: Old-Fashioned und die Wiederentdeckung alter Spirituosen
Ein deutlicher Trend im Jahr 2020 war die Rückkehr zu einem puristischen Ansatz, der oft als „Old-Fashioned" bezeichnet wird. Dies bedeutet nicht nur die Zubereitung eines klassischen Cocktails, sondern eine Wertschätzung für die Ursprünge der Bar-Kultur. Während Wodka, Rum und Tequila weiterhin in den meisten beliebten Cocktails vorkommen, haben in diesem Jahr andere, fast vergessene Alkoholsorten eine Renaissance erfahren.
Insbesondere Getränke, die in Spanien und Portugal sehr beliebt sind, wie Portwein, Sherry und Wermut, die oft mit Tonic kombiniert werden, kehren auf die deutschen Karten zurück. Auch der italienische Likörwein Marsala wird als extrem interessant eingestuft. Diese Entwicklung zeigt, dass die Barkeeper ihre Inspiration nicht mehr nur bei den Standard-Liquoren suchen, sondern in die Historie der Bar-Kultur blicken, um neue Kombinationen zu finden.
Die Philosophie hinter diesem Trend ist die Suche nach Geschmackstiefe. Anstatt süßer, fruchtiger Geschmacksrichtungen setzt man nun auf herbe, komplexe Aromen. Die „Old-Fashioned"-Bewegung fordert eine Reduzierung der Zutatenvielfalt und eine Konzentration auf die Essenz der Spirituosen. Dies passt perfekt in das übergeordnete Ziel des Jahres 2020: Weniger Alkohol und mehr Fokus auf den eigentlichen Geschmack.
Zusammenfassung der zurückkehrenden Spirituosen:
| Spirituose | Ursprung | Verwendung im Trend | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Portwein | Portugal | Oft mit Tonic | Hohe Komplexität, süßlicher Nachgeschmack |
| Sherry | Spanien | Mit Tonic | Trocken bis süß, nussige Noten |
| Wermut | Italien/Frankreich | Als Basis | Kräuterartig, bittere Töne |
| Marsala | Italien | Standalone oder Mix | Likörwein, intensiv |
| Gin | Verschiedene | Nach 2018/19 dominant | Wacholder-Noten, frisch |
Diese Tabelle verdeutlicht, dass die Wahl der Basisliquore im Jahr 2020 bewusst auf Geschichtlichkeit und Komplexität abzielt. Die Barkeeper nutzen diese Zutaten, um ein Geschmackserlebnis zu schaffen, das über die reine Betäubung hinausgeht.
Die neue Generation der Low-Alcohol und alkoholfreien Varianten
Einer der essenziellsten Erkenntnisse der Cocktailtrends aus 2020 ist der klare Fokus auf die Reduzierung des Alkoholgehalts. Es geht nicht zwangsläufig um den gänzlich alkoholfreien Cocktail, sondern um die bewusste Einschränkung. Viele Menschen wollen sich gesund ernähren, treiben Sport und möchten den Alkoholkonsum reduzieren. Dieser Trend führt dazu, dass Spirituosenhersteller vermehrt Produkte mit einem geringen Alkoholanteil ins Sortiment aufnehmen.
Alexander Kreft, Vizepräsident der Deutschen Barkeeper Union, betont, dass Cocktails schmecken sollen und nicht betrunken machen. Dies hat zu einer neuen Generation von Rezepturen geführt, bei denen die Balance zwischen den Aromen im Vordergrund steht, während der Alkoholgehalt gesenkt wird. Die Barkeeper experimentieren mit neuen Basisgetränken, die den Geschmack tragen, ohne den hohen Alkoholgehalt der traditionellen Spirituosen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Integration von Tee und Kaffee. In diesem Jahr sind Cocktails mit Kaffee oder Tee besonders beliebt. Diese Getränke bieten eine spannende Möglichkeit, den Geschmack zu intensivieren, ohne den Alkoholgehalt zu erhöhen. Der Tee-Cocktail wird als ein fester Bestandteil der neuen Welle gesehen.
Die folgende Tabelle zeigt die Unterschiede zwischen klassischen und trendigen Varianten:
| Merkmal | Klassischer Ansatz | Trend 2020 (Low-Alc) |
|---|---|---|
| Alkoholgehalt | Hoch (Vollalkoholisch) | Gering oder reduziert |
| Geschmacksprofil | Oft süß, fruchtig | Ausgewogen, herb, komplex |
| Hauptzutat | Wodka, Rum, Tequila | Tee, Kaffee, Wermut, Portwein |
| Zielgruppe | Feierabend-Genuss | Gesundheit, Sport, Wohlbefinden |
Dieser Ansatz bedeutet, dass der Cocktail zu einem Instrument des Genusses wird, der auch ohne hohe Alkoholwerte überzeugen muss. Die Kreativität der Barkeeper kennt dabei keine Grenzen.
Die Renaissance der Tiki-Kultur und die Bedeutung von Angostura Bitters
Während viele Trends auf Reduktion setzen, erleben andere einen starken Wiederaufschwung der Tiki-Kultur. Die Tiki-Cocktails mit ihren bunten Drinks, tropischen Früchten und aufwendigen Garnituren sind zurück. Diese „Hingucker"-Drinks aus den 1930er Jahren werden von den Barkeepern neu interpretiert.
Ein entscheidender Aspekt in diesem Kontext ist die Rolle von Angostura Bitters. Die Flasche ist eine Design-Ikone, erkennbar am Etikett, das über den Flaschenhals hinausragt. In Port of Spain, der Hauptstadt von Trinidad und Tobago, wird eine internationale Veranstaltung organisiert, bei der der beste Barkeeper und die besten Drinks gewählt werden. Ein Drink muss dabei Bitters enthalten, der andere Rum.
Die Gewinnerrezepte für 2020 sind Open Source, was bedeutet, dass jeder sie nachmachen kann. Der Wettbewerb selbst ist eine Art alkoholisches MasterChef, bei dem die Teilnehmer zehn Minuten Zeit haben, um das von ihnen erfundene Getränk zuzubereiten und der Jury über dessen Zusammensetzung und Philosophie zu berichten.
Ein spezifischer Trend ist die Rückkehr von legendären Tiki-Drinks wie dem Mai Tai, der Bahama Mama, dem Fog Cutter, dem Royal Bermuda Yacht Club und dem Saturn Cocktail. Aber auch unbekannte Kreationen wie der Cobra's Fang, ein legendärer Tiki-Cocktail, der von Don the Beachcomber in den 1930er oder 1940er Jahren entwickelt wurde, werden wiederbelebt. Diese Getränke sind oft komplex und erfordern eine hohe Handwerkskunst bei der Zubereitung.
Ein weiterer wichtiger Trend in der Tiki-Szene ist die Verwendung von Bitters als zentrales Element. Die Wahl von Bitters als Hauptzutat ist ein Zeichen für die Rückkehr der Wertschätzung für komplexe, bittere Aromen.
Die folgenden Punkte charakterisieren den Tiki-Trend im Jahr 2020:
- Visuelle Anziehungskraft: Aufwendige Garnituren und bunte Farben sind wieder im Trend.
- Geschmackliche Tiefe: Nutzung von Bitters, Rum und exotischen Früchten.
- Historische Wertschätzung: Alte Rezepte von Trader Vic oder Don The Beachcomber werden nachgemixt.
- Kreativität: Die Barkeeper nutzen diese Tradition, um neue Interpretationen zu schaffen.
Klassiker mit Neuem Glanz: Cosmopolitan und Mojito im Jahr 2020
Auch klassische Cocktails haben im Jahr 2020 eine Neuauflage erfahren. Der Cosmopolitan ist ein Cocktail, der für Eleganz und Raffinesse steht und perfekt für besondere Anlässe wie Hochzeiten oder Gala-Veranstaltungen geeignet ist. Er wurde in den 1990er Jahren durch die Fernsehserie „Sex and the City" berühmt und hat seinen Platz in der Welt der Cocktails behauptet. Der klassische Cosmopolitan besteht aus Wodka, Cranberrysaft, Limettensaft und Cointreau. Das Besondere an diesem Cocktail ist die perfekte Balance zwischen Süße und Säure. Wenn man Gästen etwas Besonderes bieten möchte, ist der Cosmopolitan eine ausgezeichnete Wahl. Mit seiner leuchtenden Farbe und dem eleganten Geschmack macht er Eindruck.
Ebenso beliebt bleibt der Mojito, ein Klassiker aus Kuba. Mit seiner erfrischenden Mischung aus Limetten, Minze, Zucker, Soda und Rum ist er ein perfekter Begleiter für heiße Sommertage oder laue Abende auf der Terrasse. Der Mojito vereint verschiedene Aromen und Geschmacksrichtungen zu einem harmonischen Ganzen.
Der Aperol Spritz ist ein weiterer Klassiker, der in den letzten Jahren viel Aufmerksamkeit erregt hat. Der Mix aus Aperol, Prosecco und Soda ist nicht nur unglaublich erfrischend, sondern auch optisch ein echter Hingucker. Vor allem im Sommer ist der Aperol Spritz ein absolutes Must-have auf jeder Cocktailkarte. Doch auch im Winter erfreut sich der Klassiker großer Beliebtheit, denn durch die orangene Farbe und den fruchtig-herben Geschmack sorgt er für gute Laune und Wohlbefinden.
Diese Klassiker zeigen, dass Tradition und Moderne im Jahr 2020 nebeneinander existieren können. Die Barkeeper nutzen diese bekannte Basis, um sie mit modernen Twist-Elementen zu kombinieren.
Kaffee und Tee: Die neuen Superstarken der Cocktail-Welt
Ein weiterer wichtiger Trend im Jahr 2020 ist die Nutzung von Kaffee und Tee als Basis für Cocktails. Der Espresso Martini hat einen Siegeszug durch die Barszene angetreten, der sich auch in diesem Jahr fortsetzt. Der Drink aus Wodka, Espresso und Kaffeelikör ist eigentlich kein klassischer Martini – mit seinen würzigen und robusten Aromen begeistert er dennoch viele fortgeschrittene Genießer und gehört zu den meistbestellten Drinks in manchen Cocktailbars.
Tee ist in – auch im Cocktail bietet er in diesem Jahr spannende Möglichkeiten. Cocktails mit Kaffee oder Tee sind besonders beliebt. Diese Getränke ermöglichen es, komplexe Aromen ohne hohen Alkoholgehalt zu erzeugen.
Zusammenfassung der Kaffee- und Tee-Cocktails:
| Getränk | Basis | Hauptbestandteile | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Espresso Martini | Kaffee | Wodka, Espresso, Kaffeelikör | Würzig, robust, trendig |
| Tee-Cocktail | Tee | Verschiedene Teesorten, oft mit Spirituose | Erfrischend, gesundheitsbewusst |
| Black Russian | Kaffee | Wodka, Kaffee (ohne Rum) | Puristisch, wenig Alkohol |
| Irish Coffee | Kaffee | Kaffee, Whisky, Zucker | Klassiker mit Neuem Glanz |
Diese Tabelle zeigt, dass Kaffee und Tee nicht nur als Beimischung, sondern als Hauptbestandteil genutzt werden. Dies passt perfekt in den Trend der Reduzierung von Alkohol und den Fokus auf Geschmack.
Die Kunst des Mixens: Von der Philosophie zur Praxis
Die Kunst des Mixens im Jahr 2020 ist mehr als das einfache Zusammenfügen von Zutaten. Es geht um die Schaffung eines harmonischen Ganzen, das verschiedene Aromen und Geschmacksrichtungen vereint. Die Kreativität der Barkeeper kennt dabei keine Grenzen und so entstehen immer wieder neue Kreationen und Trends.
Ein wichtiger Aspekt ist die Philosophie hinter jedem Drink. Der Mas-Curried, ein auf Rum basierender Siegercocktail, ist ein Beispiel dafür, wie Barkeeper eine klare Philosophie entwickeln. Der Wettbewerb in Port of Spain zeigt, dass die Jury nicht nur den Geschmack, sondern auch die Philosophie und die Zusammensetzung bewertet.
Die Barkeeper nutzen diese Anlässe, um ihre Fähigkeiten zu zeigen und neue Trends zu setzen. Die Gewinnerrezepte sind Open Source, was bedeutet, dass jeder sie nachmachen kann. Dies fördert den Austausch und die Weitergabe von Wissen in der Bar-Szene.
Schlussfolgerung
Die Cocktail-Trends des Jahres 2020 zeichnen sich durch eine klare Abkehr von reinen Fruchtdrinks und eine Hinwendung zu komplexen, geschmacksintensiven Mischungen aus. Der Fokus liegt auf der Reduzierung von Alkohol, der Rückkehr alter Klassiker und der Integration von Tee und Kaffee als neue Basisgetränke. Die Tiki-Kultur erlebt eine Renaissance, während puristische Ansätze wie der Old-Fashioned wieder an Bedeutung gewinnen.
Die Bar-Szene hat sich von den bunt und groß angelegten Getränken wie dem Swimming Pool oder Sex on the Beach abgewandt. Stattdessen setzen Barkeeper auf die Essenz des Geschmacks und die Reduzierung des Alkoholgehalts. Dies spiegelt einen gesellschaftlichen Wandel wider, in dem sich die Konsumgewohnheiten ändern.
Die Vielfalt der Angebote reicht von erfrischenden Sommerdrinks bis hin zu würzigen, robusten Kreationen. Die Trends des Jahres 2020 bieten für jeden Geschmack etwas, ob süß oder sauer, fruchtig oder herb. Die Kreativität der Barkeeper führt zu immer neuen Kreationen, die sowohl für besondere Anlässe als auch für den entspannten Feierabend geeignet sind.