Die Welt der Mixologie durchlebte im Jahr 2018 eine signifikante Transformation, die weit über bloße Modetrends hinausging. Es handelte sich um eine fundierte Rückkehr zu klassischen Techniken, kombiniert mit einem starken Fokus auf hausgemachte Zutaten und eine bewusste Reduktion des Alkoholgehalts. Während traditionelle Cocktail-Kultur oft von hohen Alkoholmengen geprägt war, etablierte sich im Jahr 2018 die „New Age“-Cocktail-Kultur, bei der niedrigerer Alkoholgehalt und komplexe, aber klare Geschmacksprofile im Vordergrund standen. Dieser Wandel spiegelte sich in den Bestseller-Listen wider, die von der klassischen Daquiri bis hin zu innovativen pflanzlichen Varianten reichten. Die folgenden Ausführungen basieren auf den Trends, Rezepturen und Produktangaben, die in der Branche als Maßstab dienten.
Die Renaissance der Bitterstoffe: Wermut und Amaro als neue Basis
Einer der prägnantesten Trends im Jahr 2018 war die anhaltende Popularität von Wermut, Amaro und italienischen Bitterstoffen. Diese Destillate und Aufgüsse aus Italien, Frankreich und Spanien dienten nicht nur als Nische, sondern wurden zu einem tragenden Element der modernen Bar-Kultur. Das Wachstum dieses Trends zeigte keine Anzeichen der Verlangsamung. Im Gegensatz zu früheren Jahrzehnten, in denen der Fokus auf hochprozentigen Spirituosen lag, wurde der Trend zu Cocktails mit niedrigem Alkoholgehalt zu einer neuen Basis. Dies führte dazu, dass Barkeeper und Heimakrobaren begannen, ihre eigenen Aromen zu entwickeln.
Die Technik der Infusion rückte in den Mittelpunkt. Während der „Infused Wodka" in der frühen Cocktail-Revolution ein einfacher Grundbaustein war – bei dem Gurken oder Jalapeños in einen mit Wodka gefüllten Einmachglas getränkt wurden, um Geschmack aufzunehmen – verlagerte sich die Aufmerksamkeit nun auf die Herstellung von eigenem Wermut. Enthusiasten nutzten dieselbe Aufguss-Technik, um Tafelweine mit Kräutern und Gewürzen zu würzen. Dies ermöglichte die Schaffung einzigartiger Geschmackskombinationen, die im Handel so nicht verfügbar sind. Ein besonderer Aspekt dabei war die Erstellung von Sherry-Wermut, der als eine „würzige" Variante des italienischen Wermuts beschrieben wurde. Dieser Ansatz erlaubte es, Cocktails neue, tiefgründige Aromen hinzuzufügen, ohne dabei den Alkoholgehalt übermäßig zu erhöhen.
Von Klassikern zu zeitlosen Favoriten: Die Bestseller-Liste 2018
Die Beliebtheit von Cocktails unterlag im Jahr 2018 klaren Hierarchien. Eine detaillierte Analyse der 30 beliebtesten Cocktails zeigte, welche Getränke die Bar-Kultur definierten. Besonders hervorzuheben sind folgende Positionen in der Rangliste, die einen Einblick in die Vorlieben der Konsumenten geben:
- Der Dry Martini (Platz 4): Dieser Cocktail stieg im Jahr 2018 um zwei Plätze in der Beliebtheit. Ein entscheidendes Merkmal des Dry Martinis ist die Verwendung von Gin anstelle von Wodka. Dies unterstreicht die Rückkehr zu klassischen Spirituosen als Basis.
- Der Daquiri (Platz 5): Als das am meisten bestellte Rumgetränk des Jahres etablierte sich der Daquiri als Favorit. Die Rezeptur bleibt dabei klassisch: eine Mischung aus weißem Rum, frischem Limettensaft und Zuckersirup, der geschüttelt und mit Eis serviert wird.
- Der Gimlet (Platz 30): Obwohl dieser Cocktail im Vergleich zum Vorjahr um 14 Punkte an Beliebtheit eingebüßt hat, bleibt er relevant. Die Basis besteht aus Gin und Saft, wobei das Mischverhältnis von 75 % Gin zu 25 % Saft als das beliebteste Verhältnis gilt.
Die folgende Tabelle fasst die charakteristischen Merkmale dieser Top-Cocktails zusammen:
| Cocktail | Rang (2018) | Hauptspirituose | Besondere Merkmale / Trend |
|---|---|---|---|
| Dry Martini | 4 | Gin | Steigerung um zwei Plätze; klassische Mischung |
| Daquiri | 5 | Weißer Rum | Das meistbestellte Rumgetränk; Schütteltechnik |
| Gimlet | 30 | Gin | Rückgang der Beliebtheit; 75/25 Verhältnis |
Innovative Rezepturen: Von „Cold Brew Tonic" bis zum „Bloody Veggie"
Die Entwicklung von Cocktails im Jahr 2018 ging weit über die klassische Liste hinaus und umfasste ausgefallene Variationen, die sowohl mit als auch ohne Alkohol zubereitet wurden. Drei spezifische Rezepturen, die von Barkeeper Nic Shanker empfohlen wurden, illustrieren die Kreativität der damaligen Szene.
1. Cold Brew Tonic Dieser Cocktail stellt eine moderne Interpretation von Whisky und Tonic dar. - Zutaten: 5 cl Cold Brew Whisky Likör, 15 cl Tonic Water, Orangenzeste. - Zubereitung: Alle Zutaten werden in ein Glas mit Eis gegeben. Die Orangenzeste werden abgezogen und über dem Glasrand ausgepresst, um das ätherische Öl freizusetzen.
2. Bloody Veggie Ein pflanzlicher, alkoholfreier oder leicht alkoholischer Ansatz, der auf frischen Gemüsesäften basiert. - Zutaten: 4 cl frische Kirschtomaten (entsaftet), 4 cl Chili-Wodka (geschmacklich durch 2-3 Tage Einlegen von Chilis in Wodka), 8 cl Paprikasaft, 4 cl Selleriesaft, 1 cl Tomatensirup, 2 cl Zitrone, eine Prise Salz, eine Prise Pfeffer, ein paar Tropfen Worcestersauce und ein Spritzer Steinpilzgeist. - Zubereitung: Alle Zutaten werden mit Eis im Shaker vermengt und in ein Glas gefüllt. Anschließend wird mit Steinpilzgeist besprüht und mit einem Rosmarinzweig dekoriert.
3. Spiced Mule Eine alkoholfreie Variante des klassischen Moscow Mule, die Ingwer in den Vordergrund stellt. - Zutaten: 5 cl alkoholfreier Gin, 1,5 cl frischer Ingwersaft, 2,5 cl Limettensaft, 1 cl Zuckersirup, 6 cl Soda. - Zubereitung: Alle Zutaten werden vermischt, mit Soda aufgegossen und mit einer Ingwerscheibe dekoriert.
Diese Rezepte zeigen deutlich den Trend zur Verwendung von hausgemachten Komponenten wie dem Chili-Wodka oder frischen Saften, was die Bewegung weg von reinen Industrie-Zutaten hin zu handwerklicher Präzision unterstreicht.
Die Rolle von Sirup und Fruchtpüree in der modernen Bar
Die Basis für viele der genannten Trends bilden Sirupe und Fruchtpürees, die nicht nur als Süßungsmittel dienen, sondern das Aromaprofil eines Getränks maßgeblich bestimmen. Das französische Familienunternehmen MONIN, seit 1912 in der Branche tätig, liefert hierfür die entscheidenden Rohstoffe. Die Produkte zeichnen sich durch die Verwendung von erlesenen Früchten, Gewürzen, Nüssen und Kräutern aus. Ein wichtiger Aspekt dieser Produktlinie ist die Konzentration auf „Glutenfrei", „Ohne künstliche Aromen", „Laktosefrei", „Vegan" und „GVO-frei" (mit geringen Ausnahmen wie Honig oder Lebkuchen).
Die Palette der verfügbaren Geschmacksrichtungen ist enorm und deckt eine breite Palette von Aromen ab, die für die Erstellung komplexer Cocktails notwendig sind. Die folgenden Kategorien zeigen die Bandbreite der verfügbaren Zutaten:
| Kategorie | Beispiele (aus dem Sortiment) | Besondere Merkmale |
|---|---|---|
| Fruchtsirupe | Erdbeere, Mango, Zitrone, Limette, Granatapfel | Basis für Frischheit und Fruchtigkeit |
| Nuss- und Gewürzsirupe | Geröstete Haselnuss, Winter Spice, Zimt, Lebkuchen | Bieten Tiefe und Wärme |
| Teekonzentrate | Chai, Grüner Tee Matcha, Himbeertee, Zitrontee | Ersetzen Wasser als Füllmittel, bieten komplexe Aromen |
| Fruchtpüree-Mix | Ananas, Passionsfrucht, Rote Beete, Karotte (neu) | Hoher Fruchtanteil, natürliche Farbe und Konsistenz |
| Gourmet-Saucen | Karamell, Dunkle Schokolade, Macadamia Nuss, Vollmilchschokolade | Ideal für Dessert-Cocktails oder Toppen |
Die Verwendung dieser Zutaten erfordert spezifische Kenntnisse zur Lagerung und Zubereitung. Sirupe können ungekühlt gelagert werden, da sie beim Shaken oder der Zubereitung im Glas durch Eiswürfel die richtige Trinktemperatur erhalten. Zutaten, die in größeren Mengen verwendet werden, wie Säfte oder Sekt, sollten jedoch gekühlt gelagert werden. Auch die Lagerung von Fruchtpürees und Sirup erfordert Beachtung der Haltbarkeit und Temperatur, um Qualität zu sichern.
Technische Grundlagen und Werkzeug-Ersatz im Haushalt
Ein wesentlicher Aspekt der 2018er Trends war die Zugänglichkeit für Heimakrobaren. Die professionelle Technik, die in Bars genutzt wird, lässt sich oft durch Haushaltsgegenstände ersetzen, was die Schwelle zum Experimentieren senkt. Ein langstieliger Latte-Macchiato-Löffel kann einen professionellen Barlöffel ersetzen. Beim Muddeln von Früchten oder Kräutern mit Sirup oder Fruchtpüree-Mix kann ein Stößel (Muddler) direkt im Glas verwendet werden.
Für die genaue Abmessung kleiner Mengen, wo normalerweise ein Jigger genutzt wird, können geeichte Schnapsgläser oder spezielle MONIN-Pumpen eingesetzt werden. Dies ermöglicht es auch Laien, präzise Rezepturen zu erstellen.
Zubereitungstipps, die aus den Workshops der Markenbotschafter hervorgehen, betonen die Einfachheit und Schnelligkeit der Rezepte. So werden Zutaten in kleinen Mengen (z. B. Limettensaft) in ein großes Glas gegeben und mit einem Löffel gut umgerührt. Anschließend werden Säfte, Tonic oder andere Filler hinzugefügt und ggf. kurz umgerührt. Bei Smoothies oder Frozen Drinks wird ein Blender oder ein leistungsstarker Haushalts-Standmixer empfohlen.
Die folgenden Schritte fassen die allgemeine Vorgehensweise für die Zubereitung eines professionellen Cocktails im Haushalt zusammen:
- Schritt 1: Auswahl der Basis Entscheiden Sie sich für eine Spirituose (Gin, Wodka, Rum) oder einen alkoholfreien Ersatz (Teekonzentrat, Sirup).
- Schritt 2: Infusion und Aromatisierung Nutzen Sie die Technik der Einlegung (z. B. Chilis in Wodka für 2-3 Tage) oder das Muddeln von Kräutern direkt im Glas.
- Schritt 3: Mischen und Kühlen Geben Sie die Hauptzutaten in den Shaker oder direkt ins Glas mit Eis. Achten Sie darauf, dass Zutaten, die in großen Mengen verwendet werden, gekühlt sind.
- Schritt 4: Finish und Dekoration Fügen Sie Füller (Tonic, Soda) hinzu. Dekorieren Sie mit Zesten, frischem Ingwer, Rosmarin oder einer Fruchtscheibe. Sprühen Sie gegebenenfalls einen Geistaufguss (wie Steinpilzgeist) über das Glas.
Der Einfluss von Saison und Region auf die Trends
Die Trends von 2018 waren stark von der Saison geprägt. Die Verwendung von saisonalen Rezept-Ideen wurde durch die Verfügbarkeit von frischen Zutaten vorangetrieben. So waren Winter-Sirupe (Winter Spice, Lebkuchen, Zimt) in den kalten Monaten beliebt, während frische Fruchtsäfte (Erdbeere, Limette, Karotte, Rote Beete) in der warmen Jahreszeit im Vordergrund standen. Die Markenbotschafter betonten die Wichtigkeit, Konzepte an die jeweilige Saison anzupassen, um die besten Geschmacksergebnisse zu erzielen.
Die regionale Herkunft der Zutaten spielte ebenfalls eine Rolle. Wermut aus Italien, Frankreich und Spanien bildete die Basis für viele Bitter-Cocktails. Die Verwendung lokaler Produkte, wie zum Beispiel hausgemachter Wermut aus regionalem Tafelwein, unterstrich den Trend zur „Handmade"-Kultur.
Fazit und Ausblick
Die Cocktail-Trends des Jahres 2018 zeigten eine klare Hinwendung zu komplexen, aber zugänglichen Getränken. Der Fokus lag auf der Verfeinerung einfacher Techniken, der Nutzung von hausgemachten Aromen und einer bewussten Reduktion des Alkoholgehalts. Ob es sich um den klassischen Dry Martini, den beliebten Daquiri oder den innovativen „Bloody Veggie" handelte, alle diese Getränke teilten den Ansatz, Qualität und Handarbeit über reinen Alkoholgehalt zu stellen. Die Verfügbarkeit hochwertiger Sirupe, Fruchtpürees und Teekonzentrate ermöglichte es auch Heimbarkeepern, professionelle Ergebnisse zu erzielen. Der Trend zur Verwendung von Wermut und Bitterstoffen als Basis sowie die Experimente mit pflanzlichen Säften und hausgemachten Infusionen bleiben als wichtige Meilensteine in der Geschichte der Mixologie erhalten. Die Kombination aus klassischer Struktur und modernen, frischen Zutaten bildet das Fundament für die heutige Cocktail-Kultur.