Die Schlehe, auch als Schwarzdorn oder Sauerpflaume bekannt, zählt zu den Wildobstsorten, die nicht nur optisch auffallen, sondern auch in der Küche eine Vielzahl von Möglichkeiten eröffnen. Die bläulich-schwarzen Beeren, die meist im Herbst reifen, entfalten ihr volles Aroma erst nach dem ersten Frost. In zahlreichen traditionellen und modernen Rezepten werden Schlehen verarbeitet – von Säften über Marmeladen bis hin zu Likören und eingelegten Köstlichkeiten. In diesem Artikel werden verschiedene Rezeptideen sowie Tipps zur Ernte, Verarbeitung und den gesundheitlichen Vorteilen der Schlehe vorgestellt.
Schlehen: Eine kurz vorgestellte Pflanze
Die Schlehe ist ein Gewächs aus der Familie der Rosengewächse und wächst in sonnigen Lagen an Waldrändern, Wegen und Felshängen. Sie ist sehr anspruchslos an den Boden und produziert von März an weiße Blüten, die sich ab Oktober bis November in bläulich-schwarze Früchte verwandeln. Die Schlehen sind reich an Flavonoiden, Gerbstoffen, Pektin und Vitaminen wie A, B1, B2 und B6. Sie haben eine adstringierende, entzündungshemmende, schleimlösende und anregende Wirkung und eignen sich daher nicht nur kulinarisch, sondern auch medizinisch.
Schlehen ernten: Tipps und Vorsichtsmaßnahmen
Die optimale Erntezeit für Schlehen ist ab Oktober bis November, idealerweise nach dem ersten Frost, der die Gerbstoffe mildert und den Geschmack der Früchte verfeinert. Sollte der Frost ausbleiben, können Schlehen vorübergehend in die Gefriertruhe gelegt werden, um ähnliche Effekte zu erzielen. Es ist wichtig, bei der Ernte Vorsicht walten zu lassen: Schlehen sind nicht nur für den menschlichen Genuss, sondern auch eine wichtige Nahrungsquelle für Vögel im Winter. Deshalb sollte der Ernteanteil moderat sein, um Tieren genügend Nahrung zu sichern.
Schlehensaft: Ein klassisches Rezept
Ein weit verbreitetes Rezept mit Schlehen ist der Schlehensaft, der sich durch mehrfaches Übergießen der Früchte mit kochendem Wasser herstellen lässt. Dazu werden die Schlehen in einen großen Topf gegeben, mit kochendem Wasser bedeckt und 24 Stunden stehen gelassen. Anschließend wird die Flüssigkeit abgossen, erneut zum Kochen gebracht und über die Schlehen gegossen. Dieser Vorgang wird insgesamt fünf bis sieben Mal wiederholt. Der entstandene Saft wird heiß in sterilisierte Flaschen abgefüllt und sofort fest verschlossen, um seine Haltbarkeit zu gewährleisten. Der Saft kann direkt getrunken werden oder als Grundlage für Gelee oder Marmelade verwendet werden.
Ein alternativer Ansatz für den Schlehensaft ist die Herstellung eines Sirups durch mehrfaches Übergießen mit einem Gemisch aus Rotwein, Wasser und Zucker. In diesem Verfahren wird der Schlehensirup in mehreren Schritten hergestellt, wobei nach jeder Abgärung etwas Wasser hinzugefügt wird, um die Schlehen stets zu bedecken. Der fertige Sirup wird durch ein feines Sieb oder Tuch gefiltert, erneut erhitzt und in saubere Gläser abgefüllt. Ein Tipp für eine längere Haltbarkeit ist die Zugabe von Obstler, etwa 2 cl pro 500 ml Sirup.
Schlehenlikör: Ein prickelnder Genuss
Ein weiteres beliebtes Rezept ist der Schlehenlikör. Dazu werden 500 g Schlehenfrüchte, vier Gewürznelken, eine Vanillestange und 750 ml Wodka oder Korn in ein Glas gegeben. Das Glas sollte gut verschlossen und für sechs Wochen an einen warmen, möglichst sonnigen Ort gestellt werden. In dieser Zeit sollte es regelmäßig geschüttelt werden. Nach Ablauf der Reifungszeit wird die Flüssigkeit durch ein Sieb gegossen. Anschließend wird ein Gemisch aus Zucker und Rotwein mit dem durchgesiebten Schlehensaft gut vermischt und in Flaschen gefüllt.
Ein weiteres Rezept für Schlehenlikör, das von Karin Greiner empfohlen wird, erfordert das Einlegen der Schlehen in Doppelkorn, Grappa oder Wodka. Dazu werden die Schlehen in ein Schraubglas gefüllt, mit Alkohol aufgefüllt und Gletschereis-Bonbons hinzugefügt. Die Mischung wird für 2 bis 3 Wochen an einen dunklen, zimmerwarmen Ort gestellt, danach gefiltert und in Flaschen abgefüllt. Der Likör sollte mindestens drei Monate nachreifen, um optimalen Geschmack zu entwickeln.
Schlehengelee: Ein zuckersüßer Aufstrich
Gelee unterscheidet sich von Marmelade oder Konfitüre durch die Verwendung nur des Fruchtsafts ohne feste Stücke. Es eignet sich hervorragend als Brotaufstrich oder zur Veredelung von Kuchen und Quarkspeisen. Ein Rezept für Schlehengelee wird wie folgt hergestellt: Zuerst werden die Schlehen gewaschen und abgetropft. Anschließend werden sie in einen großen Topf gegeben und langsam erhitzt, bis sie aufplatzen. Der Saft wird durch ein Sieb gefiltert und erneut in den Topf gefüllt. Anschließend wird Geliermittel nach den Angaben auf der Packung zugesetzt, und der Saft wird weiter eingelegt, bis er den gewünschten Gelierzustand erreicht. Danach wird das Gelee heiß in sterilisierte Gläser abgefüllt und fest verschlossen.
Schlehenmarmelade: Ein weiterer Klassiker
Schlehenmarmelade wird oft in Kombination mit Äpfeln hergestellt, um den Geschmack zu mildern und die Gelierung zu verbessern. Ein Rezept von Marianne Kähler erfordert 400 g Schlehen (mit Kernen), 500 g säurliche Äpfel (z. B. Boskop), 1 l Wasser und 750 g Gelierzucker (2:1). Die Schlehen und Äpfel werden gewaschen und in kleine Stücke geschnitten. Anschließend werden sie in einen großen Topf gegeben und mit Wasser und Gelierzucker vermengt. Die Mischung wird langsam erhitzt, bis die Früchte weich sind und die Marmelade den Gelierzustand erreicht. Anschließend wird sie heiß in Gläser abgefüllt und fest verschlossen.
Falsche Oliven aus Schlehen: Ein ungewöhnlicher Genuss
Ein kreative Alternative ist die Herstellung von eingelegten Schlehen, die optisch und geschmacklich an Oliven erinnern. Dazu werden 1 kg Schlehen mit Thymian, Lorbeerblättern, Nelken, Meersalz und optional einer Chilischote eingelegt. Die Gewürze werden in eine Salzlake aus Wasser und Salz gebracht, leicht abgekühlt und in Schraubgläser mit Schlehen gefüllt. Die Gläser werden fest verschlossen und für mindestens 4 bis 6 Wochen ziehen gelassen. Diese eingelegten Schlehen können als Antipasti, auf der Pizza oder im Bauernsalat verwendet werden.
Schlehen in der medizinischen Anwendung
Neben ihrer kulinarischen Nutzung haben Schlehen auch eine Reihe von medizinischen Wirkungen. Sie enthalten gesunde Flavonoide, Gerbstoffe und Pektin, die adstringierend, entzündungshemmend, schleimlösend und anregend wirken. Schlehen sind daher bei Erkältungen, Fieber, Harnwegsinfektionen und Verdauungsstörungen hilfreich. Eine einfache Mundspülung kann aus getrockneten Schlehenfrüchten hergestellt werden: Zwei Teelöffel getrocknete Schlehenfrüchte werden mit 250 ml Wasser übergossen, nach zehn Minuten abgegossen, abgekühlt und als Gurgel- oder Mundspülung verwendet.
Tipps zur Verarbeitung und Lagerung
Bei der Verarbeitung von Schlehen ist es wichtig, auf Hygiene und korrekte Sterilisation der Gläser zu achten, um die Haltbarkeit der Produkte zu gewährleisten. Die Gläser sollten vor dem Abfüllen sterilisiert werden, und die Flüssigkeit sollte heiß eingefüllt und fest verschlossen werden. Schlehenprodukte wie Saft, Gelee oder Likör können mehrere Monate bis zu mehreren Jahren haltbar sein, je nach Verarbeitung.
Schlussfolgerung
Schlehen sind eine vielseitige Wildfrucht, die sich in der Küche auf zahlreiche Weise verarbeiten lässt. Ob als Saft, Gelee, Marmelade, Likör oder eingelegte Köstlichkeit – Schlehen bieten kulinarische Vielfalt und gesundheitliche Vorteile. Die Verarbeitung erfordert etwas Zeit und Geduld, aber die Ergebnisse lohnen sich. Mit ein paar einfachen Rezepten und Tipps zur Ernte und Lagerung können Schlehen in den eigenen vier Wänden zu wahren Genüssen verarbeitet werden. Sie sind nicht nur ein Geschenk der Natur, sondern auch ein Schatz für die Küche.