Die Schlehe, auch als Schwarzdorn oder Sauerpflaume bekannt, ist eine robuste Wildpflanze, die im Herbst mit ihren blauen, aromatischen Früchten besticht. Sie wächst an Waldrändern, Wegrändern und Felshängen und ist besonders anspruchslos an den Boden. Die Schlehenfrüchte entfalten ihre volle Aromatik erst nach dem ersten Frost, der den Gerbstoffgehalt abbaut und die Früchte weicher macht. Dies macht sie zu einer wertvollen Zutat in der Herbst- und Winterküche. In den folgenden Abschnitten werden Rezepte, Zubereitungen und Tipps zur Verwendung von Schlehen vorgestellt.
Schlehen als Grundzutat
Die Schlehenfrüchte enthalten wertvolles Vitamin C und haben eine herbe, aromatische Note. Sie sind reich an Gerbstoffen, weshalb sie unbedingt nach dem ersten Frost geerntet werden sollten. Vor der Ernte ist es wichtig, Handschuhe zu tragen, da die Pflanze Dornen trägt. Nach der Ernte sollten die Früchte möglichst schnell verarbeitet werden, um ein Verwesen zu vermeiden.
Zur Verwendung in Rezepten können Schlehen entstielt und gewaschen werden. Um die Bitterkeit zu reduzieren, werden sie entweder nach dem Frost gesammelt oder nach der Ernte für einige Stunden in den Kühlschrank gegeben. Für die Herstellung von Saft, Gelee oder Marmelade werden die Schlehen oft mit kochendem Wasser überbrüht, um die Fruchtfleisch leichter vom Kern lösen zu können.
Schlehensaft
Ein klassisches Rezept ist der Schlehensaft, der sich durch seinen süß-säuerlichen Geschmack auszeichnet. Dazu werden die Schlehen in einem Topf mit kochendem Wasser bedeckt und 24 Stunden lang ziehen gelassen. Danach wird die Flüssigkeit abgegossen, erneut zum Kochen gebracht und über die Früchte gegossen. Dieses Verfahren wird etwa fünf bis siebenmal wiederholt, bis der Saft dunkel und schwerflüssig wird. Anschließend wird der Saft heiß in sterilisierte Flaschen gefüllt und fest verschlossen. Der Saft kann direkt getrunken werden oder als Basis für Gelee, Marmelade oder Glühwein dienen.
Schlehenlikör
Ein weiteres beliebtes Rezept ist der Schlehenlikör, der durch seine herbe Note und süße Aromen besticht. Dazu werden 500 g Schlehenfrüchte mit vier Gewürznelken, einer Vanillestange und 750 ml Wodka oder Korn in ein Glas gegeben. Das Glas wird gut verschlossen und an einen warmen, sonnigen Ort gestellt, um etwa sechs Wochen lang zu ziehen. Ab und zu sollte das Glas geschüttelt werden. Nach Ablauf der Ziehzeit wird die Flüssigkeit durch ein Sieb gegossen und mit einem Zucker-Rotwein-Gemisch gut vermischt. Der fertige Likör wird in Flaschen gefüllt und kann pur oder in Cocktails genossen werden.
Ein weiteres Rezept für Schlehenlikör beschreibt die Verwendung von Gletschereis-Bonbons, die in das Glas gegeben werden. Diese Bonbons sollen den Geschmack weiter abrunden. Der Likör sollte mindestens drei Monate nachreifen, wobei eine Reifezeit von drei Jahren als ideal empfohlen wird.
Schlehengelee
Schlehen sind eine hervorragende Grundlage für das Herstellen von Schlehengelee. Dazu werden 1 kg Schlehen mit 300 g in kleine Stücke geschnittenen Birnen, einer Vanilleschote, 600 g Gelierzucker im Verhältnis 2:1 und 2–3 EL Zitronensaft verwendet. Die Zutaten, bis auf den Gelierzucker und den Zitronensaft, werden mit etwas Wasser in einen Topf gegeben, um das Anbrennen zu vermeiden. Nachdem die Bitterkeit durch den Frost oder das Gefrieren abgebaut ist, wird die Masse zum Kochen gebracht und der Gelierzucker sowie der Zitronensaft hinzugefügt. Das Gelee kocht kurz auf, bis es den Gelierzug verspritzt, und wird dann heiß in sterilisierte Gläser abgefüllt und fest verschlossen.
Schlehenmarmelade
Die Schlehenmarmelade ist ein herb-aromatischer Aufstrich, der sich besonders gut auf frischen Brötchen schmeckt. Die Schlehen werden in einem weiten Topf mit Wasser aufgekocht, wodurch sich das Fruchtfleisch leichter vom Kern löst. Anschließend werden die Früchte durch ein Sieb passiert und mit Gelierzucker und Vanillemark vermischt. Die Masse wird erneut zum Kochen gebracht und heiß in Gläser gefüllt, die vorher sterilisiert wurden. Die Marmelade ist nicht nur ein leckerer Brotaufstrich, sondern auch eine wärmende Mahlzeit für Menschen mit morgentlicher Appetitlosigkeit.
Schlehenchutney
Ein weiteres Rezept ist das Schlehenchutney, das eine deftige und aromatische Note hat. Dazu werden Schlehen mit Zucker, Ingwer und Johannisbeeren gekocht. Die Masse wird auf kleiner Flamme eingedickt und anschließend mit Pfeffer und Johannisbeeren unterrührt. Das Chutney passt besonders gut zu Lammsteaks, die vor dem Anbraten mit Öl bepinselt werden und auf dem Grill knusprig gebraten werden.
Schlehen-Gin
Ein weiteres kreative Anwendung ist der Schlehen-Gin, der durch seine herbe Note und süße Aromen besticht. Dazu werden 500 g Schlehen eingefroren (oder nach dem Frost geerntet) und mit 250 g Zucker und 1 Liter Gin in ein Glasgefäß gegeben. Das Glas wird verschlossen und für 2–3 Monate ziehen gelassen. Danach wird die Flüssigkeit abgesieht und der Schlehen-Gin pur oder in Cocktails genossen.
Schlehenessig
Ein weiteres Rezept ist der Schlehenessig, der Salaten eine besondere Note verleiht. Dazu werden 300 g Schlehen leicht andrücken und in eine Flasche gefüllt. Diese wird mit 500 ml Apfelessig und 2 EL Honig aufgefüllt und mindestens zwei Wochen lang ziehen gelassen.
Schlehen als Mundspülung
Neben kulinarischen Anwendungen kann die Schlehe auch in der Heilkunde genutzt werden. Dazu werden 2 Teelöffel getrocknete Schlehenfrüchte mit 250 ml Wasser übergossen und nach zehn Minuten abgegossen und abgekühlt. Die Flüssigkeit kann als Mundspülung verwendet werden und hat entzündungshemmende Wirkung.
Schlehen in der Panna Cotta
Auch in der italienischen Küche können Schlehen verwendet werden, wie in der Schlehen-Panna Cotta. Dazu wird eine fruchtige Schlehensoße hergestellt, die aus 800 g Schlehen, 2 großen Äpfeln, 50 g Zucker und 300 ml Wasser besteht. Diese Soße wird mit der Panna Cotta serviert, die aus Kondensmilch, Vanille und Eiklar zubereitet wird.
Falsche Oliven aus Schlehen
Ein weiteres herzhafte Rezept ist das eingelegte Schlehen, das wie falsche Oliven schmeckt. Dazu werden 1 kg Schlehen mit Thymian, Lorbeerblättern, Nelken, Meersalz und Chilischote in 1 Liter Wasser eingelegt. Das Glas wird geschlossen und an einem kühlen Ort gelagert. Die eingelegten Schlehen sind entzündungshemmend und stärken das Immunsystem.
Schlehen in der Mispelküche
Obwohl der Schwerpunkt des Artikels auf Schlehen liegt, werden in einigen Quellen auch Rezepte mit anderen Herbstfrüchten wie Mispeln erwähnt. Dazu zählen Mispeltartes mit Baiserhaube, Mispelmarmelade, Mispelchutney und verschiedene Mispelgelees. Diese Rezepte zeigen die Vielfältigkeit der Herbstfrüchte und wie sie in der Küche genutzt werden können.
Zusammenfassung
Die Schlehe ist eine vielseitige Wildpflanze, die sich in vielen Rezepten verwenden lässt. Ob als Schlehensaft, Gelee, Marmelade oder Likör – die Früchte entfalten ihre volle Aromatik erst nach dem ersten Frost. Sie sind reich an Vitamin C und haben entzündungshemmende Eigenschaften. Neben kulinarischen Anwendungen können Schlehen auch in der Heilkunde genutzt werden, wie in der Zubereitung von Mundspülungen. Zahlreiche Rezepte zeigen, wie kreativ Schlehen in der Küche eingesetzt werden können, und betonen ihre besondere, herbe Note.