Aachener Printen zählen zu den ikonischen Weihnachtsgebäcken im rheinischen Raum. Diese leckeren, würzigen Lebkuchen haben nicht nur eine lange Tradition, sondern auch eine klare regionale Identität. Die Bezeichnung „Aachener Printen“ ist geschützt und darf nur für Printen verwendet werden, die in Aachen sowie in den Nachbarorten Alsdorf, Baesweiler, Eschweiler, Stolberg und Würselen hergestellt werden. Die Herstellung der Printen reicht bis ins 15. Jahrhundert zurück und ist eng verbunden mit der Entwicklung der Lebkuchenbäckerei in dieser Region. Obwohl das traditionelle Rezept für echte Aachener Printen geheim bleibt, gibt es zahlreiche Rezepte, die den Geschmack und die Aromatik der Original Printen gut abbilden. In diesem Artikel wird die Geschichte, die Zutaten, die Herstellung und einige Tipps für die Backpraxis detailliert vorgestellt.
Ursprünge und Entwicklung
Die Geschichte der Aachener Printen beginnt nicht in Aachen selbst, sondern in der Region um Dinant in Belgien. Laut mehrerer Quellen stammen die Anfänge der Printen aus der traditionellen Herstellung von sogenannten „Gebildbrote“, die aus Lebkuchenteig hergestellt wurden und oft religiöse oder symbolische Formen hatten. Diese Formen wurden mithilfe von Holzformen in den Teig gepresst, was den Namen „Printen“ begründete – abgeleitet von „drucken“ oder „pressen“.
Im 15. Jahrhundert zogen Arbeiter aus dieser Region in den Aachener Raum, brachten aber nicht nur Arbeitskräfte, sondern auch ihre Backtradition mit. In Aachen entwickelten sich die Printen weiter und erhielten ihre heutige Form und Geschmack. Seit dem frühen 19. Jahrhundert, genauer gesagt seit etwa 1820, ist die Form der Aachener Printen in ihrer modernen Gestaltung und Herstellung etabliert.
Die Herstellung von Lebkuchen war bereits in der Antike bekannt und diente damals nicht nur als Nahrungsmittel, sondern auch als Süßigkeit, die im kalten Winter haltbar war. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelten sich die Rezepte weiter, wobei die Verwendung von Gewürzen wie Anis, Kardamom, Zimt, Koriander und Nelken eine zentrale Rolle spielte. In Aachen entstand ein eigenständiger Stil, der sich durch eine harmonische Mischung von süßen und würzigen Aromen auszeichnet.
Heute sind die Aachener Printen eine geschützte Herkunftsbezeichnung innerhalb der EU (geschützte geografische Angabe, g.g.A.). Das bedeutet, dass nur Printen, die in Aachen oder den benachbarten Orten hergestellt werden, als „Aachener Printen“ bezeichnet werden dürfen. Dieser Schutz unterstreicht die kulturelle und gastronomische Bedeutung der Printen in der Region.
Zutaten und Aromatik
Die Aromatik der Aachener Printen beruht auf einer sorgfältig zusammengestellten Mischung aus süßen und würzigen Zutaten. Zentral ist der Einsatz von Rübensirup, der eine feine Süße und eine besondere Konsistenz verleiht. In Kombination mit verschiedenen Gewürzen entsteht ein einzigartiges Aroma, das typisch für die Aachener Printen ist.
Zu den wichtigsten Zutaten gehören:
- Zuckerrübensirup: Er ist die Grundlage des Teiges und verleiht den Printen ihre typische Konsistenz und Süße.
- Kandiszucker: Wird zerkleinert und in den Teig eingearbeitet. Er gibt den Printen eine besondere Karamellnote.
- Orangeat: Ein getrockneter, mariniertes Zitrusfruchtfleisch, das feine Säure und Aroma beisteuert.
- Lebkuchengewürze: Eine Mischung aus Anis, Kardamom, Zimt, Koriander, Nelken und Gewürznelken, die die Aromatik der Printen bestimmt.
- Mehl: Dient als Grundlage des Teigs.
- Pottasche: Ein Alkali, das bei der Herstellung von Printen verwendet wird, um den Teig aufzutragen und die Konsistenz zu stabilisieren.
- Milch: Wird in geringer Menge hinzugefügt, um den Teig zu binden und die Konsistenz zu regulieren.
- Mandeln: Häufig als Verzierung auf den Printen verwendet.
Die genaue Mischung und die Mengen der Zutaten können variieren, je nach Hersteller. Es gibt drei Hauptgeschmacksgruppen: die Kräuterprinten, die Schokoprinten (mit Schokoladenüberzug) und die Prinzessprinten (mit Zuckerguss). Jede dieser Varianten hat ihre eigenen Anhänger, aber alle teilen die charakteristische Kombination aus Süße und Würze.
Einige Rezepte empfehlen, die Zutaten aus biologischem Anbau zu verwenden, um den ökologischen Fußabdruck zu reduzieren und die Gesundheit der Verbraucher zu fördern. Dies ist besonders bei den Gewürzen und dem Sirup wichtig, da sie in hohen Mengen eingesetzt werden.
Rezept für Aachener Printen (zur Nachbake)
Obwohl das traditionelle Rezept für echte Aachener Printen geheim bleibt, gibt es zahlreiche Rezepte, die den Geschmack und die Aromatik der Original Printen gut abbilden. Ein typisches Rezept für Aachener Printen, das sich gut für die Nachbake eignet, lautet wie folgt:
Zutaten für ca. 65 Stück:
- 500 g Zuckerrübensirup
- 100 g Rohrzucker
- 5 g Anis-Pulver
- 5 g Zimt-Pulver
- 5 g Koriander-Pulver
- 5 g Kardamom-Pulver
- 1 Prise Nelken-Pulver
- 600 g Mehl
- 60 g gehacktes Orangeat
- 150 g brauner Kandiszucker
- 10 g Pottasche
- 1 EL Rum (alternativ Wasser)
- 3 EL Milch
Zubereitung:
- Kandiszucker zerkleinern: Den braunen Kandiszucker in einen Gefrierbeutel geben und mit einem Fleischklopfer zerkleinern.
- Sirupmischung herstellen: In einer großen Schüssel den Zuckerrübensirup mit dem Rohrzucker und 4 EL Wasser erhitzen, bis der Zucker vollständig gelöst ist.
- Pottasche auflösen: Die Pottasche im Rum (oder Wasser) auflösen und zur Sirupmischung geben.
- Teig kneten: Mehl mit Kandiszucker, Orangeat und den Gewürzen vermischen. Anschließend mit Pottasche und Sirup zu einem Teig verkneten.
- Teig ruhen lassen: Den Teig in Frischhaltefolie einwickeln und mindestens 4 Stunden im Kühlschrank ruhen lassen.
- Formen und backen: Den Teig auf einer bemehlten Arbeitsfläche zu einer dünnen Schicht ausrollen. Mit einem Messer Rechtecke von ca. 3 x 9 cm ausschneiden und auf ein mit Backpapier belegtes Backblech legen.
- Backen: Die Printen bei 200 Grad Ober-/Unterhitze ca. 8–10 Minuten backen.
- Auskühlen lassen: Die Printen nach dem Backen auf einem Kuchengitter vollständig auskühlen lassen.
Tipps zur Nachbake:
- Zutaten vorbereiten: Es ist hilfreich, alle Zutaten vor dem Backen bereitzuhaben, da der Teig nach dem Ruhen in kürzester Zeit geformt und gebacken werden sollte.
- Konsistenz des Teiges: Der Teig ist relativ fest, da Pottasche eingesetzt wird. Es ist wichtig, ihn gut durchzukneten, damit er homogen ist und sich gut verarbeiten lässt.
- Lagerung: Wenn die Printen nach dem Backen zu hart werden, können sie in einer Keksdose mit einem Apfelstück gelagert werden. Das Obst sorgt für zusätzliche Feuchtigkeit und hält die Kekse weich.
Backtechnik und Zubereitung
Die Herstellung der Aachener Printen erfordert einiges an Vorbereitung und Geduld. Der Teig muss mindestens 4 Stunden im Kühlschrank ruhen, um die Aromen zu entfalten und die Konsistenz zu stabilisieren. Während dieser Zeit ziehen sich die Gewürze und der Sirup miteinander zusammen, was dem Teig die nötige Elastizität verleiht.
Nach dem Ruhen wird der Teig auf einer bemehlten Arbeitsfläche dünn ausgerollt und in Rechtecke geschnitten. Diese Form ist typisch für die Aachener Printen und unterscheidet sie von anderen Lebkuchensorten. Bei der Formgebung ist es wichtig, dass die Kekse gleichmäßig dünn sind, damit sie beim Backen gleichmäßig durchgehen.
Der Backvorgang erfolgt bei ca. 200 Grad Ober- und Unterhitze. Die Backzeit beträgt etwa 8–10 Minuten. Die Printen sollten leicht gebräunt sein und an den Rändern etwas heller als in der Mitte. Sie sollten nicht zu dunkel werden, da dies auf eine übermäßige Zuckerkaramelisierung hindeuten würde.
Nach dem Backen werden die Printen auf einem Kuchengitter auskühlen gelassen. Wichtig ist, dass sie nicht direkt in die Keksdose gelegt werden, solange sie noch warm sind. Andernfalls würden sie zu feucht und matschig.
Geschmack und Aromatik
Die Aromatik der Aachener Printen entsteht durch die Kombination aus süßen und würzigen Zutaten. Der Rübensirup gibt den Printen ihre typische Süße, während die Gewürze eine warme, komplexere Geschmacksebene schaffen. Anis, Kardamom, Zimt, Koriander und Nelken arbeiten harmonisch zusammen und verleihen den Printen eine leichte, aber intensiv spürbare Würze.
Der Kandiszucker verleiht den Printen eine leichte Karamellnote, die sich in Kombination mit dem Sirup besonders gut entfaltet. Orangeat gibt den Printen eine feine Säure, die den süßen Geschmack abrundet und die Würze betont.
Ein weiteres charakteristisches Merkmal der Aachener Printen ist ihre Konsistenz. Sie sind fest, aber nicht trocken, und haben eine leichte, feine Porosität. Das liegt an der Kombination aus Sirup, Pottasche und Mehl, die den Teig auf eine Weise stabilisiert, die sowohl die Festigkeit als auch die Feuchtigkeit bewahrt.
Aachener Printen in der heimischen Weihnachtsbäckerei
Die Nachbake von Aachener Printen ist eine beliebte Aktivität in der heimischen Weihnachtsbäckerei. Obwohl das traditionelle Rezept geheim bleibt, gibt es zahlreiche Rezepte, die den Geschmack und die Aromatik der Original Printen gut abbilden. Die Nachbake erfordert etwas Vorbereitung und Geduld, lohnt sich aber durch das Ergebnis: leckere, würzige Lebkuchen, die an Weihnachten eine willkommene Zugabe zum Festmahl sind.
Einige Hersteller bieten auch fertige Gewürzmischungen an, die das Rezept vereinfachen. Für diejenigen, die eine individuelle Note möchten, ist es aber auch möglich, die Gewürze selbst zusammenzumischen. Dies erlaubt es, die Aromatik der Printen nach den eigenen Vorlieben zu gestalten.
Ein weiterer Vorteil der Nachbake ist die Flexibilität im Anpassen der Rezeptur. So können beispielsweise Nüsse oder Schokolade hinzugefügt werden, um die Printen abzuwandeln. Einige Rezepte empfehlen auch, den Kandiszucker durch andere Zuckerarten zu ersetzen, um den Geschmack zu variieren.
Schlussfolgerung
Aachener Printen sind mehr als nur ein weihnachtliches Gebäck – sie sind ein Stück regionaler Tradition und kultureller Identität. Mit einer Geschichte, die bis ins 15. Jahrhundert zurückreicht, und einer klaren regionalen Herkunft, zählen sie zu den ikonischen Backwaren im rheinischen Raum. Die Aromatik und Konsistenz der Printen entstehen durch die sorgfältige Kombination von Zuckerrübensirup, Kandiszucker, Orangeat und einer Mischung aus Gewürzen. Obwohl das traditionelle Rezept geheim bleibt, gibt es zahlreiche Rezepte, die den Geschmack und die Aromatik der Original Printen gut abbilden.
Für diejenigen, die die Aachener Printen selbst backen möchten, ist die Nachbake eine lohnenswerte Herausforderung. Sie erfordert etwas Vorbereitung und Geduld, lohnt sich aber durch das Ergebnis: leckere, würzige Lebkuchen, die an Weihnachten eine willkommene Zugabe zum Festmahl sind. Egal ob Kräuterprinten, Schokoprinten oder Prinzessprinten – alle Varianten teilen die charakteristische Kombination aus Süße und Würze, die die Aachener Printen so besonders macht.