Einführung
Gesunde Ernährung beginnt früh – und zwar nicht nur mit dem Essen selbst, sondern auch mit dem Verständnis dafür, wo Lebensmittel herkommen und wie man sie verarbeitet. Die Sarah Wiener Stiftung setzt genau an diesem Punkt an. Mit der Initiative „Ich kann kochen!“ fördert sie die praktische Ernährungsbildung bei Kindern und vermittelt ihnen spielerisch und alltagstauglich, wie viel Freude es macht, frische Mahlzeiten selbst zuzubereiten.
Seit 2007 hat die Stiftung bereits über 1,7 Millionen Kinder in ganz Deutschland erreicht. In Zusammenarbeit mit der Krankenkasse BARMER hat sie ein breites Angebot an Rezepten, pädagogischen Materialien und Fortbildungen entwickelt, die Eltern, Erzieher:innen und Lehrkräfte dabei unterstützen, Kindern das Kochen beizubringen. Der Fokus liegt dabei auf einfachen Rezepten, Sinneserfahrungen und der Auseinandersetzung mit nachhaltiger Ernährung.
In diesem Artikel werden Rezepte, Konzepte und Hintergrundinformationen der Sarah Wiener Stiftung vorgestellt – basierend auf den zur Verfügung gestellten Materialien. Die Rezepte sind bewusst so gestaltet, dass Kinder aktiv mitmachen können und so spielerisch lernen, mit Lebensmitteln umzugehen.
Das Konzept der Sarah Wiener Stiftung
Die Sarah Wiener Stiftung ist eine gemeinnützige Organisation, die sich auf Ernährungsbildung und Nachhaltigkeit konzentriert. Ihre Arbeit richtet sich insbesondere an Kinder in Kindertagesstätten, Grundschulen und Horten. Ziel der Stiftung ist es, Kinder bereits in frühen Jahren für eine ausgewogene Ernährung zu begeistern und sie spielerisch mit Lebensmitteln vertraut zu machen.
Die Initiative „Ich kann kochen!“ ist hierbei ein zentraler Baustein. Sie wurde 2015 in Zusammenarbeit mit der BARMER ins Leben gerufen und ist Teil des IN FORM-Projekts der Bundesregierung. In kostenfreien Fortbildungen erhalten pädagogische Fachkräfte das Rüstzeug, um mit Kindern gemeinsam Mahlzeiten zuzubereiten und sie so für gesunde Lebensmittel zu begeistern.
Diese Fortbildungen dauern einen halben Tag und richten sich an Erzieher:innen, Lehrer:innen und andere Fachkräfte, die mit Kindern unter zehn Jahren arbeiten. Nach Abschluss der Fortbildung können sie als sogenannte „Genussbotschafter:innen“ eigene Projekte wie Koch-AGs oder Projektwochen in ihren Einrichtungen anbieten.
Außerdem bietet die Stiftung ein Online-Portal an, das ergänzende Materialien enthält, darunter saisonale Rezepte, praxisnahe Tipps und Informationen über ausgewogene Ernährung. So können Eltern und Pädagog:innen zusätzliche Anregungen finden, um das Kochen mit Kindern zu Hause oder in der Einrichtung zu gestalten.
Rezepte für Kinder: Einfach, praktisch und lecker
Ein zentraler Aspekt der Arbeit der Sarah Wiener Stiftung ist das Angebot an Rezepten, die speziell für Kinder geeignet sind. Diese Rezepte sind bewusst so konzipiert, dass Kinder aktiv mitmachen können – sei es beim Schneiden, Würzen oder Formen. Gleichzeitig sind sie alltagstauglich und lassen sich gut in den Alltag integrieren.
Ein Beispiel ist der fruchtige Kichererbsensalat mit Orangen-Vinaigrette, der aus einfachen Zutaten besteht und durch seine Vielfältigkeit Einblicke in die Welt der Kichererbsen und deren Verarbeitung gibt.
Rezept: Kichererbsensalat mit fruchtiger Orangen-Vinaigrette
Zutaten für 4 Portionen (als Beilage):
- 250 g gegarte Kichererbsen, abgetropft
- 1 kleine Orange
- 1 EL Zitronensaft
- 1 EL Olivenöl
- Salz, Pfeffer
- Optional: geröstete Kernen oder Kräuter (z. B. Petersilie)
Zubereitung:
- Die Kichererbsen abtropfen lassen und in eine Schüssel geben.
- Die Orange auspressen und mit Zitronensaft, Olivenöl, Salz und Pfeffer eine Vinaigrette herstellen.
- Die Dressing über die Kichererbsen gießen und gut vermengen.
- Nach Wunsch mit gerösteten Kernen oder gehackten Kräutern bestreuen.
- Den Salat servieren oder für das nächste Tag im Kühlschrank aufbewahren.
Dieses Rezept ist besonders gut für Kinder geeignet, da es viel zu „schnippeln“, „mischen“ und „probieren“ gibt. Kinder lernen so spielerisch, mit Lebensmitteln umzugehen, und können auch eigene Variationen einbringen, z. B. durch das Hinzufügen von Kräutern oder anderen Hülsenfrüchten.
Meal Prep für den Alltag: Bunte Gemüse-Bratlinge
Ein weiteres Rezept, das sich gut für die Praxis eignet, sind die Bunten Gemüse-Bratlinge. Sie sind nicht nur lecker, sondern auch ideal fürs Meal Prep – also für die Vorbereitung von Speisen im Voraus. So können sie tagsüber einfach aus der Brotdose genommen oder zum Abendessen kurz aufgewärmt werden.
Rezept: Bunte Gemüse-Bratlinge
Zutaten für 6 Stück:
- 1 Zwiebel
- 500 g Gemüse (z. B. Möhren, Brokkoli oder Rote Bete)
- 1 TL Bratöl (zum Dünsten)
- 150 ml Wasser
- 2 EL geröstete Sonnenblumenkerne
- 120 g zarte Haferflocken
- 20 g geschrotete Leinsamen
- Salz, Pfeffer, 1 Prise Muskatnuss
- 2 EL Bratöl (zum Braten)
Zubereitung:
- Die Zwiebel in kleine Würfel schneiden und in etwas Bratöl glasig dünsten.
- Das Gemüse grob schneiden und mit etwas Wasser und Salz zu den Zwiebeln geben.
- Alles 10–15 Minuten garen, bis das Gemüse weich ist.
- Das gekochte Gemüse mit Haferflocken, Leinsamen und Kernen in eine Schüssel geben und mit einem Stampfer oder Mixer zu einer Masse verarbeiten.
- Die Masse mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss würzen und 10–15 Minuten quellen lassen.
- Aus der abgekühlten Masse Bratlinge formen und diese in etwas Bratöl von beiden Seiten goldbraun braten.
- Die Bratlinge in einer Brotdose oder im Kühlschrank aufbewahren.
Dieses Rezept ist besonders praktisch für Eltern, die im Alltag nicht immer viel Zeit fürs Kochen haben. Die Bratlinge lassen sich gut vorkochen und sind zudem ein lehrreiches Projekt, an dem Kinder mitmachen können – sei es beim Schneiden, Würzen oder Formen.
Kochen mit Kindern: Tipps für Eltern und Pädagog:innen
Die Sarah Wiener Stiftung betont, dass das Kochen mit Kindern nicht nur eine Lern- und Ernährungsbildungsmaßnahme ist, sondern auch eine wertvolle gemeinsame Aktivität für die ganze Familie. Es fördert die Sinneswahrnehmung, die Auseinandersetzung mit Lebensmitteln und die Freude an der Vorbereitung von Mahlzeiten.
Einige Tipps für Eltern und Pädagog:innen, um das Kochen mit Kindern erfolgreich zu gestalten:
- Einfache Rezepte auswählen: Kinder sollten möglichst viele Aufgaben übernehmen können, z. B. Schneiden, Mischen oder Würzen.
- Sinnliche Erfahrungen einbauen: Lassen Sie Kinder Gerüche, Texturen und Geschmackssorten entdecken. So lernen sie spielerisch, was sie auf dem Teller haben.
- Variationen erlauben: Kinder können eigene Ideen einbringen, z. B. durch das Hinzufügen von Kräutern oder dem Ausprobieren anderer Zutaten.
- Meal Prep nutzen: Vorkochtipps können den Alltag erleichtern und helfen, dass gesunde Mahlzeiten auch unter Zeitdruck auf den Tisch kommen.
- Praktische Tipps zur Hygiene beachten: Gerade bei jüngeren Kindern ist es wichtig, dass sie lernen, wie man in der Küche sicher und hygienisch arbeitet.
Die Initiative „Ich kann kochen!“ bietet hierzu auch umfangreiche Materialien, die Eltern und Pädagog:innen im Alltag unterstützen. So kann das Kochen mit Kindern nicht nur lecker, sondern auch lehrreich und spaßbringend sein.
Auswirkungen und Ziele der Initiative „Ich kann kochen!“
Die Sarah Wiener Stiftung hat sich das Ziel gesetzt, in den kommenden Jahren bundesweit mehr als eine Million Kinder zu erreichen. Mit der Initiative „Ich kann kochen!“ will sie Kindern nicht nur beibringen, wie man gesunde Mahlzeiten zubereitet, sondern auch, warum eine ausgewogene Ernährung wichtig ist. Die wissenschaftliche Begleitung der Initiative hat gezeigt, dass Kinder, die an solchen Projekten teilnehmen, ihr Wissen über Lebensmittel und Gesundheit erweitern und positivere Einstellungen zu gesunder Ernährung entwickeln.
Zudem fördert die Initiative nicht nur die Ernährungsbildung, sondern auch soziale Fähigkeiten und Teamarbeit. Kinder lernen, wie man gemeinsam eine Mahlzeit zubereitet, und entwickeln so ein Verständnis dafür, dass Essen ein Gemeinschaftsunternehmen ist – und nicht nur ein Mittel zum Zweck, um satt zu werden.
Ein weiteres Ziel ist es, Kinder für nachhaltige Lebensmittel zu begeistern. Durch das Kochen mit regionalen, saisonalen und biologischen Produkten lernen sie, dass es nicht nur um die Zubereitung geht, sondern auch um die Herkunft und die Auswirkungen der Lebensmittelproduktion.
Schlussfolgerung
Die Sarah Wiener Stiftung und ihre Initiative „Ich kann kochen!“ leisten einen wertvollen Beitrag zur praktischen Ernährungsbildung in Deutschland. Mit einfachen Rezepten, pädagogischen Materialien und Fortbildungen für Pädagog:innen und Eltern bietet sie eine Plattform, auf der Kinder spielerisch lernen können, wie man gesunde Mahlzeiten zubereitet.
Die Rezepte, die in diesem Artikel vorgestellt wurden, sind bewusst so gestaltet, dass Kinder aktiv mitmachen können und dabei nicht nur kochen, sondern auch lernen – über Lebensmittel, über Sinneswahrnehmung und über die Freude, die im Kochen liegt.
Durch das gemeinsame Kochen mit Kindern können Eltern und Pädagog:innen nicht nur gesunde Mahlzeiten auf den Tisch bringen, sondern auch wertvolle Zeit miteinander verbringen. Und genau darum geht es bei „Ich kann kochen!“: Es geht um Freude am Kochen, um gesunde Ernährung und um die Vermittlung von Wissen, das für das ganze Leben wertvoll ist.