Kochen ist mehr als nur die Zubereitung von Speisen. Es ist eine kreative Aktivität, die nicht nur Nahrung bereitet, sondern auch Beziehungen stärkt, Ernährungsbewusstsein schult und Freude bereitet. Besonders bei Kindern ist es wichtig, das Kochen spielerisch und mit positiven Erfahrungen zu verbinden. Die Sarah Wiener Stiftung verfolgt genau diesen Ansatz mit der Initiative „Ich kann kochen!“. Ziel ist es, Kindern ab dem Kindergarten- und Grundschulalter den Umgang mit Lebensmitteln beizubringen und sie für eine ausgewogene Ernährung zu begeistern. In diesem Artikel werden die zentralen Aspekte der Initiative, die Rezepte und Kochmethoden sowie deren pädagogische und praktische Umsetzung detailliert vorgestellt.
Wie „Ich kann kochen!“ entstand und funktioniert
„Ich kann kochen!“ ist eine gemeinsame Initiative der Sarah Wiener Stiftung und der Krankenkasse BARMER. Sie wurde 2015 ins Leben gerufen und zählt heute zu den größten und etabliertesten Projekten in der Ernährungsbildung für Kinder in Deutschland. Die Initiative ist Teil des IN FORM-Projekts der Bundesregierung, das sich für eine gesunde Lebensstil-Bewegung einsetzt.
Zentrales Element von „Ich kann kochen!“ ist die Fortbildung von pädagogischen Fach- und Lehrkräften. In eintägigen, kostenfreien Workshops erhalten diese Fachkräfte das nötige Wissen, um mit Kindern in Kitas, Schulen, Horten oder Tagespflege-Einrichtungen gemeinsam Mahlzeiten zuzubereiten. Die Fortbildung vermittelt praktische Kochtechniken, Ernährungswissen und Methoden, um Kinder spielerisch und alltagstauglich an das Thema Gesunderhaltung heranzuführen.
Die Fortbildungen sind wissenschaftlich begleitet und bewertet, was die Qualität und Nachhaltigkeit des Projekts sichert. Die Initiative hat es sich zur Aufgabe gemacht, in den kommenden Jahren mehr als eine Million Kinder in ganz Deutschland zu erreichen. Die Arbeit konzentriert sich auf die Vermittlung von Basiskenntnissen im Umgang mit Lebensmitteln, wie Schneiden, Würzen, Wissen über Nährstoffe und die Wichtigkeit einer abwechslungsreichen Ernährung.
Rezepte und Kochmethoden für Kinder
Die Rezepte, die im Rahmen der Initiative entwickelt wurden, sind bewusst einfach gehalten und eignen sich hervorragend für den Einsatz in der pädagogischen Arbeit. Sie basieren auf frischen, natürlichen Zutaten und sind so gestaltet, dass sie Kindern die Möglichkeit bieten, aktiv mitzumachen – sei es beim Schneiden, Stampfen, Würzen oder Formen. Dies fördert nicht nur das praktische Verständnis für Lebensmittel, sondern auch die motorischen Fähigkeiten und die Selbstständigkeit der Kinder.
Ein Beispiel für ein solches Rezept ist der Bunte Gemüse-Bratlinge, der in mehreren Quellen beschrieben wird. Die Zutaten sind leicht zu beschaffen und gut handhabbar:
- 1 Zwiebel
- 500 g Gemüse (z. B. Möhren, Brokkoli oder Rote Bete)
- 1 TL Bratöl (zum Dünsten)
- 150 ml Wasser
- 2 EL Sonnenblumenkerne (geröstet)
- 120 g zarte Haferflocken
- 20 g geschrotete Leinsamen
- Salz, Pfeffer, 1 Prise Muskatnuss
- 2 EL Bratöl (zum Braten)
Zubereitung:
- Die Zwiebel wird in kleine Würfel geschnitten und in etwas Bratöl glasig gedünstet.
- Das Gemüse grob schneiden und mit Wasser und Salz hinzugeben. Für 10–15 Minuten köcheln lassen, bis es weich ist.
- Das gekochte Gemüse mit Haferflocken, Leinsamen und Kernen in einer Schüssel stampfen, würzen und für ein paar Minuten ruhen lassen.
- Aus der Masse Bratlinge formen und diese in Bratöl von beiden Seiten goldbraun braten.
Tipp:
Die Bratlinge eignen sich hervorragend für das sogenannte Meal Prep. Sie lassen sich vorkochen, portionsweise in der Brotdose verstauen und bei Bedarf aufwärmen. Dies ist eine praktische Methode, um den Alltag zu entlasten und dennoch frisch und abwechslungsreich zu essen.
Ein weiteres Rezept, das im Kontext der Initiative erwähnt wird, ist ein fruchtiger Kichererbsensalat. Dieses Rezept ist besonders kindgerecht, da es viel zu schnippeln, zu mischen und zu probieren bietet. Kinder können beispielsweise Kräuter von der Fensterbank verwenden oder geröstete Körner hinzufügen, um den Geschmack nach ihren Vorlieben abstimmen zu können.
Vorteile des gemeinsamen Kochens mit Kindern
Das gemeinsame Kochen hat zahlreiche Vorteile, sowohl für die Kinder als auch für die Erwachsenen. Es schafft einen Raum, in dem Familie, Bildung und Freude aufeinander treffen. Kinder lernen durch praktische Tätigkeiten, wo Lebensmittel herkommen und wie sie verarbeitet werden. Sie entwickeln ein Bewusstsein für die Wichtigkeit einer ausgewogenen Ernährung, was langfristig zur Vorbeugung ernährungsbedingter Krankheiten beitragen kann.
Ein weiterer Vorteil ist die Förderung der sozialen und motorischen Fähigkeiten. Beim Schneiden, Würzen, Wägen und Mischen üben Kinder Feinmotorik und Koordination. Zudem lernen sie, mit anderen zusammenzuarbeiten, was Teamfähigkeit und soziale Kompetenzen stärkt.
Für Eltern und Pädagogen ist das gemeinsame Kochen eine willkommene Gelegenheit, den Alltag zu entschleunigen und qualitativ hochwertige Zeit mit den Kindern zu verbringen. Insbesondere in Zeiten, in denen Homeschooling oder andere Herausforderungen im Alltag dominieren, kann Kochen eine wohltuende Ablenkung bieten und gleichzeitig zur Entlastung beitragen.
„Meal Prep“ als praktische Lösung für den Alltag
Ein Konzept, das in mehreren Quellen erwähnt wird, ist das Meal Prep. Es handelt sich dabei um das vorausschauende Vorbereiten von Speisen, um den Alltag zu vereinfachen. Dieses Prinzip ist besonders in der Familienküche von Vorteil, da es die Zeitersparnis und die Planbarkeit erhöht.
Beispielsweise kann Gemüse schon am Wochenende geschnitten oder Saucen und Dressings auf Vorrat hergestellt werden. Kinder können bei dieser Vorbereitung aktiv mitwirken, was sie spielerisch in den Alltag einbindet und gleichzeitig Routine und Verantwortung beibringt.
Ein weiterer Vorteil des Meal Prep ist, dass er die Ernährung vielseitiger gestaltet. Vorkochgerichte ermöglichen es, ohne Aufwand frische Mahlzeiten zu servieren, was besonders in stressigen Tagen hilfreich ist. Zudem ist es eine gute Methode, um Lebensmittelabfälle zu reduzieren, da Vorräte sinnvoll genutzt werden.
Die Rolle von Pädagogen und Eltern in der Ernährungsbildung
Pädagogische Fachkräfte und Eltern spielen eine zentrale Rolle in der Ernährungsbildung. Sie sind die Multiplikatoren, die die Initiative „Ich kann kochen!“ vor Ort umsetzen und Kindern das nötige Wissen und die Fähigkeiten vermitteln. In den Fortbildungen, die von der Sarah Wiener Stiftung angeboten werden, lernen sie nicht nur Kochtechniken, sondern auch pädagogische Ansätze, um Kinder spielerisch an das Thema heranzuführen.
Diese Fortbildungen sind kostenlos und für alle pädagogischen Fachkräfte zugänglich, die mit Kindern bis zu zehn Jahren arbeiten. Sie dauern einen halben Tag und sind so konzipiert, dass sie direkt in die pädagogische Arbeit integriert werden können. Danach sind die Teilnehmer berechtigt, eigene Projekte wie Koch-AGs oder Projektwochen zu organisieren.
Eltern können ebenfalls profitieren von den Ressourcen, die „Ich kann kochen!“ anbietet. Auf der Online-Plattform finden sie Rezepte, Tipps zum Umgang mit Lebensmitteln und Informationen zu Themen wie Hygiene, Sicherheit und die Rolle des gemeinsamen Essens. Dies hilft, die Ernährungsbildung auch im häuslichen Umfeld zu verstärken und Kindern ein kohärentes Bild zu vermitteln.
Fazit
Die Initiative „Ich kann kochen!“ der Sarah Wiener Stiftung ist ein überzeugendes Beispiel dafür, wie Kochen und Ernährungsbildung miteinander verbunden werden können, um Kindern eine positive Beziehung zu Lebensmitteln zu vermitteln. Mit einfachen Rezepten, spielerischen Methoden und der Unterstützung von Pädagogen und Eltern schafft die Initiative eine Brücke zwischen Alltag und Bildung.
Durch das praktische Kochen lernen Kinder, wie Lebensmittel verarbeitet werden, warum eine abwechslungsreiche Ernährung wichtig ist und wie viel Freude es macht, selbst Mahlzeiten zuzubereiten. Gleichzeitig profitieren Eltern und Pädagogen von einer wohltuenden Aktivität, die den Alltag entschleunigt und zur Gesundheit beiträgt.
In einer Zeit, in der immer mehr Kinder vor dem Bildschirm sitzen und sich von Fertiggerichten ernähren, ist es wichtiger denn je, sie spielerisch für das Kochen zu begeistern. Mit „Ich kann kochen!“ gelingt es, eine Grundlage zu schaffen, die nicht nur gesund, sondern auch lebensbejahend ist.