Die Wiener Sachertorte: Entstehung, Rezepte und Rechtsstreit um das Original

Die Sachertorte ist mehr als nur ein Kuchen – sie ist ein Stück Wiener Kulturgeschichte, ein kulinarisches Wahrzeichen, das bis heute in der gesamten Welt bekannt und geschätzt wird. Die Torte, die aus einer Schokoladenmasse, mehreren Schichten Aprikosenmarmelade und einer reichhaltigen Schokoladenglasur besteht, zählt zu den ikonischsten Spezialitäten der österreichischen Konditorei. Ihr Name stammt von Eduard Sacher, der im Jahr 1876 das gleichnamige Hotel in Wien eröffnete und den Kuchen dort erstmals als fester Bestandteil des kulinarischen Angebots servierte. Doch die Entstehung der Sachertorte und die Geschichte ihres Rezepts sind von ebenso viel Leidenschaft wie von Streit um die Echtheit der Rezeptur geprägt.

Die Entstehung der Sachertorte

Die Wiener Sachertorte entstand im 19. Jahrhundert und ist eng mit der Person von Franz Sacher verknüpft. Sacher war ein Konditorenlehrling, der während seiner Ausbildung im Hause Demel, der damaligen k. u. k. Hofzuckerbäckerei, die Grundlagen für die Rezeptur der Torte entwickelte. Der Kuchen war ursprünglich als Dessert für den österreichischen Außenminister Clemens von Metternich geschaffen worden. Später überarbeitete Eduard Sacher, der Sohn von Franz Sacher, das Rezept weiter und brachte die Torte in ihrer heute bekannten Form hervor, als sie 1876 erstmals im Hotel Sacher angeboten wurde.

Die Torte erfreute sich rasch großer Beliebtheit und zog auch internationale Aufmerksamkeit auf sich. Berühmte Gäste wie Kaiserin Elisabeth von Österreich-Ungarn, bekannt auch als „Sissi“, sollen sich der Legenden nach von der Süße der Sachertorte begeistert haben. Doch nicht nur die Gäste des Hotels Sacher, sondern auch das gesamte Wiener Publikum ließ sich von der Kreation verzaubern.

Der Rechtsstreit um das Originalrezept

Der Rechtsstreit um das Originalrezept der Sachertorte entstand in den 1930er Jahren und war von großer öffentlicher Aufmerksamkeit begleitet. Nachdem das Hotel Sacher in finanzielle Schwierigkeiten geraten war, wurde es 1934 verkauft. Eduard Sacher, der Sohn des Hotelgründers, übertrug daraufhin das Rezept der Original-Sachertorte an die Konditorei Demel. Demel begann daraufhin selbst mit der Herstellung der Torte, was zu einem erbitterten Rechtsstreit zwischen der Konditorei und dem Hotel führte.

Im Fokus standen dabei vor allem zwei Fragen: Erstens, wer das Rezept für die Original-Sachertorte tatsächlich entwickelt hatte, und zweitens, welche Rezeptur als original zu gelten hatte. Während das Hotel Sacher eine zweischeichtig aufgebaute Torte mit zwei Schichten Aprikosenmarmelade beanspruchte, argumentierte die Konditorei Demel, dass nur eine einzige Schicht Marmelade direkt unter der Schokoladenglasur zum Originalrezept gehörte.

Dieser „Wiener Tortenkrieg“, wie die Presse den Streit nannte, führte zu jahrelangen Gerichtsverfahren. Erst 1963 wurde eine außergerichtliche Einigung erzielt: Die Bezeichnung „Original Sacher-Torte“ blieb dem Hotel Sacher vorbehalten, während die Konditorei Demel weiterhin ihre eigene Version unter dem Namen „Demels Sachertorte“ anbieten durfte.

Die aktuelle Rezeptur und Herstellung

Die Rezeptur der Original-Sachertorte wird bis heute strikt unter Verschluss gehalten. Nur innerhalb des Hotels Sacher und der angeschlossenen Manufaktur wird die Torte hergestellt. Die Zutaten werden exklusiv für das Hotel produziert, und die Schokoladenglasur gilt als besonders geheimnisvoll. Laut mehreren Berichten ist es die besondere Glasur, die das Aroma und die Konsistenz der Original-Sachertorte ausmacht.

Die Torte wird in Handarbeit gefertigt, was die hohen Qualitätsstandards sichert. Etwa 5000 bis 8000 Eier werden täglich von Hand getrennt, ausschließlich frische Eier aus Freilandhaltung werden verwendet. Jährlich verlässt das Hotel Sacher etwa 360.000 Stück der Torte in die ganze Welt. Dieser Erfolg macht deutlich, dass die Sachertorte nicht nur ein lokales Wahrzeichen, sondern eine internationale Institution ist.

Die Struktur der Sachertorte

Die klassische Sachertorte besteht aus drei wesentlichen Komponenten: einem Schokoladenteig, Aprikosenmarmelade und einer Schokoladenglasur. Die Schichtenanzahl der Marmelade ist jedoch umstritten. Es gibt zwei gängige Varianten:

  1. Ein Schichtenmodell: Nur eine Schicht Aprikosenmarmelade wird unter die Schokoladenglasur gelegt.
  2. Zweischichtige Variante: Neben der Marmeladeschicht unter der Schokolade gibt es eine zweite Schicht in der Mitte des Kuchenteigs.

Zur Verwendung kommt traditionell Marillenmarmelade, was in den deutschen Sprachräumen Aprikosenmarmelade entspricht. Diese Konfitüre verleiht der Torte ihren typischen süß-fruchtigen Geschmack, der perfekt zur dunklen Schokolade passt.

Rezept für die Sachertorte: Annäherung an das Original

Da das Originalrezept der Sachertorte bis heute ein streng gehütetes Geheimnis bleibt, können Hobbybäcker nur eine Annäherung an die Originalrezeptur herstellen. In einigen Quellen wird ein Rezept genannt, das auf der offiziellen Website des Hotels Sacher veröffentlicht wurde. Dieses Rezept dient nur als Orientierung, da es nicht das exakte Original ist.

Zutaten für 1 Springform (24 cm), 12 Stücke

Für den Schokoladenteig:

  • 130 g dunkle Schokoladen-Kuvertüre (mindestens 55 % Kakaoanteil)
  • 1 Vanilleschote
  • 150 g geschmolzene Butter
  • 100 g Puderzucker
  • 6 Eier
  • 100 g Zucker
  • 140 g Weizenmehl

Für die Füllung und den Überzug:

  • 200 g Aprikosenmarmelade
  • 200 g Zucker
  • 150 g dunkle Schokoladen-Kuvertüre (mindestens 55 % Kakaoanteil)
  • Schlagsahne zum Garnieren

Zubereitung

  1. Ofen vorheizen und Springform vorbereiten: Den Ofen auf 170 °C (Umluft nicht nötig) vorheizen. Den Boden der Springform mit Backpapier auslegen, die Seiten mit Butter einfetten und mit Mehl bestäuben.

  2. Schokolade schmelzen: Die Kuvertüre in Stücke schneiden und über einem heißen Wasserbad schmelzen. Nach dem Schmelzen etwas abkühlen lassen.

  3. Vanilleschote und Butter: Die Vanilleschote längs aufschneiden und das Mark mit einem Messerrücken herauskratzen. Die geschmolzene Butter mit Puderzucker und Vanillemark mit einem Handrührgerät zu einer cremigen Masse schaumen.

  4. Eier trennen und vermengen: Die Eier trennen. Die Eigelbe nacheinander in die Buttermasse einrühren. Anschließend die geschmolzene Kuvertüre langsam unterheben.

  5. Eischnee steif schlagen: Die Eiweiße mit dem Zucker zu steifem Eischnee schlagen.

  6. Mehl sieben und unterheben: Das Weizenmehl über die Masse sieben und alles vorsichtig unterheben, um die Luftbläschen im Teig nicht zu zerstören.

  7. Teig in die Form füllen: Den Teig in die vorbereitete Springform geben und glatt streichen. Die Ofentür leicht geöffnet lassen, während der Kuchen die ersten 10–15 Minuten im Ofen backt. Anschließend die Tür schließen und die restliche Backzeit (ca. 50 Minuten) abwarten.

  8. Abkühlen lassen und bestreichen: Den Kuchen vollständig abkühlen lassen. Die Aprikosenmarmelade auf die Oberfläche streichen, bis der Kuchen mit einer zweiten Schicht Schokoladenglasur überzogen wird.

  9. Schokoladenglasur herstellen: Für die Glasur die Kuvertüre erneut schmelzen. Die Marmelade auf die abgekühlte Torte streichen und die Schokolade darauf gießen. Vorsichtig mit einem Spachtel oder einfach mit dem Handrührer verteilen. Zuletzt mit Schlagsahne garnieren.

  10. Kühlen und servieren: Die Torte für mindestens 2 Stunden in den Kühlschrank geben, damit die Glasur fest wird. Anschließend in gleichmäßige Stücke schneiden und servieren.

Tipps für das Gelingen

  • Hochwertige Zutaten sind entscheidend: Dunkle Kuvertüre mit mindestens 55 % Kakaoanteil verleiht der Torte den typischen Geschmack.
  • Eischnee sanft unterheben: Ein zu kräftiges Unterheben kann die Luftbläschen zerstören, was den Kuchen flach und trocken macht.
  • Backzeit nicht überschreiten: Eine zu lange Backzeit führt zu einer trockenen Torte. Das Ziel ist ein saftiges Innenleben.
  • Kühlung nach dem Gießen: Die Torte sollte nach dem Gießen der Schokolade gut abkühlen, damit die Glasur fest wird und nicht eindringt.

Fazit

Die Wiener Sachertorte ist mehr als nur ein Kuchen – sie ist ein Symbol für Wiener Kultur, Tradition und Leidenschaft für die Konditorei. Ihre Geschichte ist geprägt von Ehrgeiz, Streit und letztendlich von einer Einigung, die es ermöglichte, dass zwei Versionen des Kuchens heute existieren: die „Original Sacher-Torte“ vom Hotel Sacher und die „Demels Sachertorte“ aus der Konditorei. Beide haben ihre Anhänger und ihre Kritiker, doch eines ist sicher: Die Sachertorte bleibt ein Klassiker, der bis heute von Konditoren und Hobbybäckern gleichermaßen geschätzt wird.

Für diejenigen, die die Torte zu Hause nachbacken möchten, ist es durchaus möglich, mit etwas Geduld und den richtigen Zutaten eine köstliche Annäherung an das Original zu kreieren. Obwohl das exakte Rezept geheim bleibt, ist der Prozess der Herstellung eine Reise in die Geschichte der österreichischen Konditorei – und das Ergebnis ist eine Torte, die nicht nur den Gaumen, sondern auch die Sinne verwöhnt.

Quellen

  1. Die Sachertorte: Geheimnis in der Glasur
  2. Die Sachertorte – ein früher Signature Dish Wiens
  3. Wiener Sachertorte-Rezept
  4. Sachertorte-Rezept vom Hotel Sacher

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